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Amnesty International: Umweltschützer in Region Intag in Gefahr

Die international tätige Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat am vergangenen 12. Dezember mit einer Eilaktion auf Äußerungen von Präsident Rafael Correa reagiert, in denen er die Aktivitäten des Umweltschützers Carlos Zorilla und weiterer Umweltschützer der Region Intag als "destabilisierend" und eine von Ausländern angezettelte Einmischung in die Regierungspolitik bezeichnete hatte.

Correa hatte bei seiner wöchentlichen Fernsehansprache am 7. Dezember Zorrilla und andere Personen nicht nur erneut beschuldigt, im Auftrag ausländischer Interessen tätig zu sein, sondern forderte die Einwohner Ecuadors auch zum Handeln auf.

Einschüchterung und Gefahr von "Vergeltungsschlägen"

Amnesty International ruft in ihrer Eilaktion dazu auf, von der Regierung zu fordern, Menschenrechtler und Umweltschützer nicht weiter "willkürlich der Ausübung destabilisierender Aktivitäten zu beschuldigen, da dies zu willkürlichen Vergeltungsschlägen gegen sie führen könnte". Zudem könnten diese Äußerungen von Regierungsseite auch zur Einschüchterung anderer, auf dem Gebiet der Verteidigung der Menschenrechte in Ecuador aktiver Personen führen.

Der ecuadorianische Präsident hatte in seinen Ansprachen wiederholt besonders hervorgehoben, dass es Ausländer und insbesondere US-Amerikaner seien, welche sich gegen die von den Ecuadorianern mehrheitlich gewählte Politik von Rafael Correa stellten. In der Region Intag, in der große Kupfervorkommen liegen, welche die Regierung Correa fördern möchte, war Rafael Correa im Februar dieses Jahres mit großer Mehrheit wiedergewählt worden.

Am 28. September hatte Correa erstmals während seiner wöchentlichen Fernsehansprache Fotos und Informationen zu Aktivisten aus der nordecuadorianischen Region Intag veröffentlicht, darunter auch zu Carlos Zorrilla, einem US-Amerikaner kubanischer Herkunft, der seit 35 Jahren in der Region lebt und Gründungsmitglied der Organisation Defensa y Conservación Ecológica de Intag (DECOIN) ist. Die Organisation setzt sich für den Erhalt des subtropischen Regenwalds und der Biodiversität der Region Intag ein. Zorrilla beteiligt sich seit vielen Jahren an lokalen Initiativen zur Entwicklung alternativer Einkommensquellen in der Region, um Bergbau zu verhindern und die Biodiversität der Region zu erhalten.

Umweltschützer Zorilla weist Anschuldigung zurück

Die Bewohner der Intag-Region haben bereits seit den 1990er Jahren mehrmals Bergbaukonzerne aus der Region vertrieben. Zuletzt war es 2008 der kanadische Konzern Ascendent Copper, der nach friedlichen, aber entschiedenen Protesten von der Ausbeutung der Kupfervorkommen im Ort Junín wieder absah.

Am vergangenen 14. September hatten Umweltschützer in Intag den Mitarbeitern der Bergbaubehörde ENAMI den Zugang zu Teilen der Region versperrt, als diese Proben für eine Umweltverträglichkeitsprüfung entnehmen wollten. Carlos Zorrilla hat laut Amnesty International angegeben, zu dieser Zeit nicht in der Gegend gewesen zu sein.

In einem offenen Brief an Präsident Correa bezeichnet Zorilla es als "ironisch", dass er sich just zu diesem Datum auf einer Reise nach Washington D.C. befunden habe, zu der er von der Generalstaatsanwaltschaft eingeladen worden sei, um mit seinen Aussagen den Staat Ecuador in einem Prozess zu verteidigen, den Ascendant Copper gegen das Land Ecuador angestrengt hatte. Auch zwei weitere, als Minengegner bezeichnete Personen hätten dabei mitgewirkt, den Staat Ecuador in diesem Verfahren zu unterstützen. "Unerklärlicherweise war es für diese Arbeit nicht von Bedeutung, dass ich ein Ausländer bin", konstatiert Zorilla in seinem Brief. (bh)

Link zur Eilaktion von Amnesty International

 

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