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Amazonas-Synode: Indigene aus Peru beeindruckt Papst

Die Peruanerin Yesica Patiachi vom Volk der Harakbut ist eine der wenigen indigenen Frauen bei der Amazonas-Synode im Vatikan. Vor zwei Jahren hat Papst Franziskus sie in ihrer Heimat Puerto Maldonado kennengelernt - und ihn beeindruckt. 

"Zuerst war das Chaos, bis der Urbaum Wuamanei die Menschen ordnete, und wir sind Kinder des Wuamanei." Wenn man Yesica Patiachi bittet, sich vorzustellen, sagt sie nicht: Ich heiße Yesica Patiachi, bin 31 Jahre alt, Lehrerin und Mutter einer zehnjährigen Tochter. Nein, sie beginnt damit, die Schöpfungsgeschichte ihres Volkes, der Harakbut, zu erzählen. "Ohne diese Geschichten zu kennen, verstehst du nicht, wer ich bin", sagt die selbstbewusste Frau mit den langen schwarzen Haaren.

Sie trägt Jeans und T-Shirt, auf den ersten Blick ist sie nicht als Indigene erkennbar. "Viele glauben noch, dass wir Indigene mit Federn und Lendenschurz im Wald leben, nicht lesen und schreiben könnten", kritisiert sie die herrschenden Vorstellungen über Indigene. Dabei hat die ausgebildete Lehrerin eine zweisprachige Anthologie der Mythen ihres Volkes veröffentlicht. Yesica ist durch und durch Angehörige der Harakbut.

Kampf ums Überleben: Die bedrohte Tradition der Harakbut 

Rund 1.000 Angehörige dieser Volksgruppe leben im südperuanischen Regenwaldgebiet Madre de Dios nahe der Grenze zu Brasilien. Als Kleinkind hat Yesica Patiachi die Geschichten ihres Volkes aufgesaugt. "In unserem Dorf Puerto Luz gab es keinen Kindergarten; aber ich lauschte stattdessen den alten Männern, unseren Weisen, wenn sie die Geschichten unseres Volkes erzählten."

Geschichten von der Entstehung der Welt, der Entstehung ihres Volkes, aber auch vom großen Trauma der Harakbut. Vor rund 100 Jahren gerieten sie in die Fänge gieriger Kautschuk-Barone, die sie auf der Jagd nach billigen Arbeitskräften versklavten. Die Harakbut leisteten Widerstand. Viele starben, aber einige konnten tiefer in die Wälder fliehen, so auch Yesicas Vorfahren. "Wenn sie damals den Kautschuk-Baronen nicht widerstanden hätten, wäre ich heute nicht hier."

Mit dem Ende des Kautschuk-Booms hat die Ausbeutung des Regenwaldes und seiner indigenen Bewohner nicht aufgehört. Heute haben die Ausbeuter des Regenwaldes andere Namen: Holzfäller, Erdölfirmen oder Goldsucher. Madre de Dios wird besonders von Goldschürfern heimgesucht. "Sie glauben, Amazonien sei eine Art Warenlager, das man ausbeuten kann, und kümmern sich nicht um uns, die wir schon immer hier leben."

Yesica Patiachi und der Papst 

Ihre Sicht auf das, was mit ihrer Heimat geschieht, hat sie im Januar 2018 auch Papst Franziskus vorgetragen. Er kam in die Hauptstadt des Departaments Puerto Maldonado, um sich mit den Vertretern indigener Völker zu treffen. Yesica Patiachi durfte die Begrüßungsrede halten.

Stolz ist sie besonders auch darauf, weil ihre Rede auf einem mehrseitigen Brief basierte, den sie und drei andere Vertreter indigener Völker dem Papst vorher geschickt hatten. Sie ist sich aber auch bewusst, dass sie sich damit nicht nur Freunde gemacht hat. "Ich arbeitete lange Jahre als Lehrerin in einem Dorf, in dem viele Goldschürfer leben. Die haben meinen Vater bedroht."

Auch deswegen ließ sich Yesica als Lehrerin nach Puerto Maldonado versetzen. Dort hat sie - als eine von wenigen indigenen Frauen - einst die Sekundarschule und danach die Pädagogische Hochschule besucht. Möglich war das, weil sie in einem von Ordensfrauen geführten Internat wohnen konnte. "Dort ging es mir gut; ich wurde als Indigene nicht diskriminiert. 

Vom Dorf in die Stadt: Die Probleme indigener Mädchen

Sie hat aber mit angesehen, wie schwer es für viele indigene Jugendliche, vor allem Mädchen, war und ist, sich in der Stadt zurechtzufinden. "Stell dir vor, du würdest als Deutsche einfach im Regenwald ausgesetzt. So ist es mit den jungen Indigenen, die in die Stadt kommen." Ohne Geld, ohne Ausbildung, ohne die spanische Sprache würden sie schnell Opfer von Ausbeutung oder Frauenhandel. Zudem schämten sie sich ihrer indigenen Wurzeln. "Deshalb ist es so wichtig, dass wir Indigenen zur Schule gehen und eine gute Ausbildung haben. Dass wir Spanisch lernen, um nachher selbst für unser Volk sprechen zu können."

Papst Franziskus war so beeindruckt von Yesica Patiachi, dass er sie nun zur Sondersynode über das Amazonasgebiet nach Rom eingeladen hat. "Die Synode wird die Probleme des Amazonasgebietes nicht lösen", sagt sie - "aber sie wird dazu beitragen, sie in der ganzen Welt sichtbar zu machen."

Wenn Sie mehr über den Schöpfungsmythos der Harakbut, insbesondere deren Lebensbaum Wanamey, erfahren möchten, dann finden Sie hierzu eine Hintergrundgeschichte auf Seite 29 im Amazonas-Sonderheft von Blickpunkt Lateinamerika. Online lesen oder bestellen unter blickpunkt@adveniat.de.
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