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Amazonas-Bischof Kräutler mahnt Lösungen bei Priestermangel an

Die katholische Kirche muss nach Meinung von Amazonas-Bischof Erwin Kräutler dringend nach Lösungen angesichts des Priestermangels suchen. "Die Menschen in Amazonien haben ein Recht darauf, die Eucharistie zu feiern", sagte der aus Österreich stammende Bischof in einem Beitrag der ORF-Religionssendung "kreuz und quer". Dieses Recht werde ihnen aber "von der Kirche vorenthalten".
Er sei "absolut nicht gegen den Zölibat", betonte der 71-jährige Ordensmann. Allerdings solle "die Eucharistie nicht davon abhängig sein". Er sage dies im Namen von 840 Gemeinden seiner Diözese, so der Bischof.
Nur zwei bis drei Mal im Jahr könne einer seiner wenigen Priester die einzelnen weit verstreuten Gemeinden im Amazonasgebiet besuchen und mit den Menschen Eucharistie feiern; sonst blieben nur Wortgottesdienste, so der Prälat von Xingu. Er könne sich ohne Weiteres vorstellen, "dass Leute, die den Gemeinden vorstehen, auch den Auftrag und die Weihe bekommen, dass sie der Eucharistie vorstehen".
Es gebe große Bemühungen um Priesterberufungen aus dem Volk heraus, unterstrich Kräutler. Zugleich müsse man sich aber auch eingestehen, dass die Situation in Amazonien sehr speziell sei: "Viele Menschen hier haben absolut keinen Zugang zum zölibatären Priestertum."
1981 wurde Kräutler Bischof der Prälatur Altamira-Xingu im Bundesstaat Para. Die Prälatur ist mit rund 365.000 Quadratkilometern und 500.000 Einwohnern die flächenmäßig größte Diözese Brasiliens. Sie zählt 15 Pfarreien, wobei jede Pfarrei aus 30 bis 100 kleinen Gemeinden besteht. Nur drei bis vier Monate pro Jahr hält sich Kräutler in seinem Bischofssitz in Altamira auf. Den Rest des Jahres ist er unterwegs in den Gemeinden, um Gottesdienste zu feiern, die Sakramente zu spenden und den Leuten in ihrem Alltag beizustehen.
Er könne sich nichts anderes vorstellen, als im engsten Kontakt mit den Menschen zu stehen. Kräutler: "Ein Bischof gehört unters Volk, er soll für das Volk da sein, mit diesen Menschen leiden, glauben, hoffen und lieben." Für die Menschen sei er einer der ihren. "Alles andere wäre Verrat", so Kräutler. Wenn er keine Kraft mehr für seine Reisen in die Gemeinden habe, um zu den Leuten zu kommen, dann werde er sein Amt zur Verfügung stellen. (KNA)