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AIDS in Lateinamerika

Manche Zahlen sind kaum fassbar: Weltweit 5700 Tote jeden Tag, 238 Tote jede Stunde, vier Tote jede Minute. Es war ein 1. Dezember vor 29 Jahren, an dem AIDS als eigenständige Krankheit erstmals erkannt wurde. Seitdem hat die Epidemie vor allem im südlichen Afrika ganze Landstriche entvölkert.

Ende 2007 haben sich laut Angaben der HIV/AIDS-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS) rund 33 Millionen Menschen mit der Infektionskrankheit »erworbene Immundefektsyndrom«, zu englisch »Acquired Immune Deficiency Syndrome« (AIDS) angesteckt. Das »Humane Immundefizienz-Virus« (HIV) bei Bluttransfusionen, Drogeninjektionen oder Sexualverkehr wurde als Überträger identifiziert.

„Globale Bedrohung“

Rund 2,7 Millionen Neuansteckungen kommen jedes Jahr hinzu, was Ex-UNO-Generalsekretär Kofi Annan 2001 dazu bewegte, Aids als »globale Bedrohung« einzustufen. Kurz zuvor zuvor hatte sich die internationale Gemeinschaft in ihren »Millenniumszielen« dazu verpflichtet, die Ausbreitung von HIV/AIDS bis zum Jahr 2015 zu stoppen, was angesichts sinkender Ausgaben für die Haushalte der Entwicklungsministerin ein Lippenbekenntnis geblieben ist.
Fatale Bilanz

Dabei ist die Bilanz der Seuche fatal. 25 Millionen Menschen sind innerhalb der letzten 30 Jahre an den Folgekrankheiten der Immunschwächekrankheit AIDS gestorben, trotz Fortschritte in der medikamentösen Behandlung zur Steigerung der Lebenserwartung von Infizierten ist eine Heilung bisher noch immer nicht möglich.

Für die HIV-Positiven in Ländern des Südens sind die lebensverlängernden High-Tech-Medikamente unerschwinglich, die schwachen Gesundheitssysteme sind den Kosten nicht gewachsen. Rund 150.000 Euro jährlich braucht ein Patient im Durchschnitt. AIDS ist damit zu einer der schwersten Epidemien der Geschichte aufgestiegen.

In Lateinamerika Epidemie „stabil“

Lateinamerika ist nach Afrika (23 Millionen) und Asien (fünf Millionen) die Region auf der Welt, die am drittschwersten von der Seuche betroffen ist. Doch sei die Epidemie in Zentral- und Südamerika »stabil«: die jüngsten UNAIDS-Zahlen geben Entwarnung in Sachen Ausbreitung des Erregers, nachdem Anfang der 1990iger Jahre ein drastischer Anstieg beobachtet worden war.
Der gestiegene Zugang zur HIV/Aids-Therapie habe den gefährlichen Trend abgeschwächt, so dass 2009 rund 1,4 Millionen Menschen HIV-positiv waren, 300.000 mehr als 2001. 2009 hatten sich in der Region 92.000 Personen neu infiziert, 2001 waren es noch 99.000. Auch die AIDS-Toten sind im selben Zeitraum nur leicht angestiegen, von 53.000 auf 58.000 Fälle.

Ein Drittel der Erkrankten in Brasilien


Sex zwischen Männern sei auf dem Kontinent Hauptübertragungsursache Nummer Eins, in den Städten von zwölf Ländern der Region seien zehn Prozent Träger des HI-Virus. Ein Drittel aller HIV-Kranken des Kontinents lebt in Brasilien. Dort konnten jedoch Aufklärungskampagnen, Verhütung und frühzeitige Behandlung ein weiteres Ausgreifen der Krankheit verhindern.
Bei Kindern unter 15 Jahren war die Ansteckung mit 4000 »niedrig«, 2009 lebten von Feuerland bis zum Río Grande geschätzte 26.000 Kinder mit dem Virus. Dies läge vor allem daran, dass über die Hälfte HIV-positiver Schwangeren Zugang zu Medikamenten habe, die eine Übertragung auf den Fötus verhindern, loben die UN-Aidsforscher die zunehmenden Bemühungen von Regierungen.

Karibische Inseln stärker betroffen


Auch in der Karibik konnte der explosive Vormarsch von AIDS stabilisiert werden. Die Verbreitung ist auf den Inseln größer ist auf dem lateinamerikanischen Festland. Ein Prozent der Karibik-Bevölkerung ist hier infiziert, nach dem südlichen Afrika wie nirgends weltweit. Dennoch ist die Zahl der Kranken seit 1990 mit 240.000 gleichbleibend und »relativ klein«. Käuflicher Sex und Drogen werden als die häufigsten Gründe ausgemacht. Der Anteil von infizierten Frauen mit 53 Prozent höher ist als bei Männern. Vier Prozent aller Prostituierten in der Dominikanischen Republik, neun Prozent in Jamaica und 27 Prozent in Guayana leben und arbeiten mit HIV.

In Kuba sind 0,1 Prozent HIV-positiv, auf den Bahamas 3,1 Prozent der Bevölkerung. In Haitis Städten sind zwölf Prozent aller Schwangeren krank, auf dem Land weniger als ein Prozent. Auf den Zuckerplantagen der Dominikanischen Republik liegt die HIV-Rate viermal über dem nationalen Durchschnitt.

Autor: Benjamin Beutler