Brasilien |

Agrarpolitik für Gewalt verantwortlich

"Die Agrarpolitik bevorteilt nicht die Kleinbauern, die Gefahr laufen gegenüber den Monopolen zu verlieren." Mit diesen Worten mahnte der Bischof von Balsas, Dom Enemesio Angelo Lazaris, eine Umkehr der Politik im Umgang mit den Kleinbauern an. Auf der 48. Vollversammlung der brasilianischen Bischofskonferenz CNBB kritisierte der Bischof zudem das vorherrschende, auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Wirtschaftssystem, in dem die nötige "brüderlichen Verbundenheit des Menschen mit der Erde" keinen Platz mehr finde.

Neben der expansiven industriell betriebenen Landwirtschaft vertreibe zudem das von der Regierung praktizierte Entwicklungsmodell viele Landbewohner. "Derzeit sehen wir eine Reihe von Projekten die ohne Rücksicht (von den Autoritäten) durchgedrückt werden und die Menschen dazu zwingen, ihr Land zu verlassen," so Lazaris in Anspielung auf die Umleitung des Sao Francisco-Flusses im Nordosten und den Bau des Belo Monte-Staudammes im Norden Brasiliens, zwei Projekte, die die wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Regionen beschleunigen sollen.

"Der Entwicklungsgedanke darf sich nicht auf die pure Anhäufung von Gütern und Dienstleistungen beschränken," so Lazaris. Die Unternehmer müssten mehr in soziale Verantwortung genommen werden. Zudem seien die Politiker gefragt. "Gäbe es eine landwirtschaftliche Politik, die tatsächlich die Kleinen bevorteilen würde, hätten wir nicht so viele Landbesetzungen, so viel Sklavenarbeit, sondern im Gegensatz dazu eine familiäre Landwirtschaft und ökologisch wertvolle Produkte," so Bischof Lazaris.

Die Politik sei jedoch "die große Schurkin, verantwortlich für die Morde in den landwirtschaftlichen Regionen." Die unausgewogene Agrarpolitik führe zur Gewalt auf dem Land. Während das Agro-Business blühe und sich ausweite, konzentriert sich der Landbesitz in Brasilien immer mehr in den Händen weniger. "Mehr Menschen besitzen wenig, während eine kleine Gruppe immer reicher wird."

Laut einer vor wenigen Wochen von der Landpastorale der katholischen Kirche Brasiliens veröffentlichten Studie kommt es jeden Tag zu etwa drei gewaltsamen Konflikten um den Besitz von Land, hauptsächlich in den Regionen mit der größten landwirtschaftlichen Expansion. In den letzten 25 Jahren waren durchschnittlich jedes Jahr 63 Tote in 765 Landkonflikten zu beklagen. Die Zahl der Familien die ihre Ländereien aufgeben und in die großen Städten ziehen habe über die Jahre stetig zugenommen, so die Landpastorale. (milz)