Argentinien |

Agrargiftsprühungen in 25 Meter Entfernung zu Schulen

Argentinische Regionalregierungen haben Grenzabstände und Grenzwerte für Agrargiftbesprühungen reduziert, die als Ursache für Missbildungen und einen überdurchschnittlichen Anstieg von Krebserkrankungen gelten. Dies meldet die Nachrichtenagentur Servindi unter Bezug auf einen Artikel in der argentinischen Tageszeitung „Página 12“.

Anstieg von Missbildungen und Krebserkrankungen

Demnach hat der Gouverneur der nordargentinischen Provinz Chaco, Jorge Capitanich, am vergangenen 2. August das Dekret Nr. 1567 unterzeichnet, dass alle zuvor bestimmten Mindestabstände wieder außer Kraft setze, alarmierte das Netzwerk „Red de Salud Popular Ramón Carillo“. Eine Untersuchungskommission der Regierung des Chaco vom Jahr 2009 hatte bestätigt, dass sich in Gebieten, wo mit Agrochemikalien gesprüht wurde, in den letzten zehn Jahren die Krebserkrankungen bei Kindern verdreifacht haben und Missbildungen bei Neugeborenen um ein Vierfaches angestiegen sind.

Erst im Juli 2012 hatte die Regierung nach einer Vielzahl von Debatten und Anhörungen ein Biozidgesetz verabschiedet. Es verbietet das Versprühen von Agrargiften in einem Abstand von 1.500 Metern zu urbanen Siedlungsräumen, Bildungsstätten, Gesundheitseinrichtungen, Naturschutzgebieten und Wasserreservoirs. Für Besprühungen von Landmaschinen aus wurde ein Mindestabstand von 500 Metern festgelegt. In letzter Minute sei jedoch ein Artikel angefügt worden, der geringere Grenzabstände ermöglicht, heißt es im Artikel.

Dekrete weichen Regelungen auf

Im November 2012 war die Gesetzesregelung dahingehend verändert worden, dass der Abstand für Besprühungen aus der Luft nur noch 1.050 Meter und vom Acker aus nur noch 200 Meter beträgt.

In einer Erklärung unterstreicht der Regionalregierung, die neue Regelung trage “verschiedenen und wiederholten Forderungen und Anträgen” von sozialen Akteuren Rechnung, die an der Gesetzgebung auf Provinzebene beteiligt gewesen seien. Alejandra Gómez, vom Netzwerk “Red de Salud Ramón Carillo” sagte dazu: “Es ist klar, dass die Regierung der Lobby aus Produzenten und Unternehmen nachgegeben hat. Jetzt gibt es nicht einmal eine minimale Untergrenze in der Regelung“.

Für Mar del Plata (Provinz Buenos Aires) galt seit 2011 eine Regelung, nach der beim Sprühen mit Agrochemie ein Abstand von mindestens 1.000 Metern zu Siedlungen eingehalten werden muss. Ohne Bewohner und soziale Organisationen zu informieren, hat der Bürgermeister der Stadt diese Regelung im Mai 2013 geändert. Seither müssen bei Besprühungen nur noch 100 Meter Abstand zu Häusern und 25 Meter zu Schulen eingehalten werden. Anwohner haben gegen diese Regelung Verfassungsklage eingereicht. (bh