Kolumbien |

Afrokolumbianer protestieren gegen Vertreibung

Rund 116 afrokolumbianische Familien, die aufgrund der Errichtung des Industriehafens „Agua Dulce“ in Buenaventura (Department Valle del Cauca) vertrieben worden sind, fordern vom Staat und dem philippinischen Konzern ICTSI die Rückgabe ihres Landes. Die Familien des im Nordwesten Kolumbiens an der Pazifikküste gelegenen Ortes leben momentan auf der anderen Seite der Straße, an der der Hafen errichtet werden soll, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur.

Nach Angaben des Vorsitzenden des Kleinfischerverbandes von Kolumbien, Manuel Bedolla, werden auch etwa 3.500 Fischerfamilien wegen des Megaprojekts ihre Arbeit in dem Gebiet aufgeben müssen und ihre Lebensgrundlage verlieren. Dies sei Folge einer verfehlten Regierungspolitik, bei der die Belange der lokalen Bevölkerung nicht beachtet worden seien. Bedolla kritisierte dabei explizit Verträge, die im Rahmen der angestrebten Zollunion und im Rahmen der Freihandelszone der „Pazifischen Allianz“ mit Unterstützung der kolumbianischen Regierung vereinbart worden sind, und bei denen der „menschliche Teil“ und die Bedürfnisse der angestammten Fischerfamilien ausgeklammert worden seien.

Staat will Familien in anderen Regionen neu ansiedeln

Vertriebene Bewohner und deren Gemeindevorsteher erklärten, sie seien mehrmals bei der Stadt vorstellig geworden, die Gemeinde Buenvanetura habe auf ihre Forderungen und Proteste nicht reagiert. „Diese Landstücke gehören uns und unseren Kindern, davon haben wir gelebt, vom Gold, von der Jagd, vom Holz und vom Fischfang“, erklärte etwa der ebenfalls vertriebene Kleinbauer Manuel Largacha. Der Staat will diese Familien in anderen Gegenden neu anzusiedeln. Rund 23.000 Menschen in der Region sind wegen der Erweiterung der Infrastruktur des Hafens von Buenaventura von ihren angestammten Territorien vertrieben worden.

ICTSI baut nach eigenen Angaben seit Juli 2007 den Hafen in Buenaventura zu einem multifunktionalen Containerhafen aus, der mit der Gesellschaft des Industriehafens von Aguadulce (SPIA) betrieben werden soll, die eine 30 Jahre geltende Konzession für 250 Hektar der Halbinsel Aguadulce vom kolumbianischen Staat erhalten hat. Delegationen der vier Mitgliedsstaaten der Pazifischen Allianz (Chile, Mexiko, Peru, Kolumbien) sowie weiterer Staaten beendeten heute einen Gipfel im kolumbianischen Calí, bei dem über den weiteren Ausbau des Bündnisses beraten worden war. (bh)