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Adventsfenster leuchtet in lateinamerikanischem Glanz

Es gibt sie in den unterschiedlichsten Formen aus Schokolade, mit Spielzeug, digital, auf Facebook. Doch einen lebendigen Adventskalender, den haben nur die Wenigsten. Die Werdener Gemeinde St. Ludgerus im Essener Süden war mit seinen Advents-Fenstern vor siebzehn Jahren der Vorreiter der neuen Adventskalender-Generation. Und auch Adveniat lässt in diesem Jahr bereits zum neunten Mal ein Fenster in lateinamerikanischem Glanz erscheinen.

Gedämpft vom ersten Schneetreiben des Jahres schlagen die Glocken von St. Ludgerus sechs Mal, als das Fenster des Pfarrhauses gegenüber auf einmal hell aufleuchtet. Eine kleine Menschentraube hat sich davor versammelt. „Mein Engel, der heißt Frieden, wir alle sind verschieden, doch lasst und Brücken bauen, vergeben und vertrauen“, schallt es passend zum Thema des diesjährigen Kalenders „Frieden“ den Werdener Berg hinauf. Die kleinen Zuschauer treten unruhig von einem Fuß auf den anderen, doch die ersten drei Lieder werden draußen gesungen, erst dann geht es ins Warme das ist Tradition.

Tradition sind in Werden mittlerweile auch die Adventsfenster, die im Dezember das abendliche Treiben der Stadt ein wenig aufhellen. Von 17 bis 21 Uhr werfen sie auf ganz unterschiedliche Weise Licht in die winterliche Dunkelheit. Gestaltet werden sie von Kindergärten, Familien, Ministranten und anderen Gruppen aus Stadt und Gemeinde.

Friedensdörfer in Argentinien eröffnen neue Chancen für Jugendliche

Das fünfte Fenster wurde von Adveniat gestaltet und öffnet in der Adventszeit damit eine kleine Tür nach Lateinamerika. Engel, Sterne und Glocken in den Farben lila und grün des Hilfswerkes mischen sich mit der hell leuchtenden Lichterkette und kleinen Friedenstauben auf den weißgerahmten Glasscheiben. „La paz esté contigo“ (Der Friede sei mit dir) lesen vorübergehende Fußgänger auf den kleinen Vögeln und lugen neugierig durch die offene Pfarrhaustür. Auch ein paar spontane Besucher drängt die Neugierde auf das hell erleuchtete Fenster und die fremde Sprache hinein ins warme Foyer. Dort nutzt Adveniat-Mitarbeiterin Nicole Katitsch die Chance, den Blick zu weiten, hin zum „Kontinent der Hoffnung“. Im Mittelpunkt stehen dabei die sogenannten Friedensdörfer, die der Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel mit seiner Menschenrechtsstiftung SERPAJ in Argentinien ins Leben gerufen hat und die von Adveniat unterstützt werden. „Viele junge Menschen in Lateinamerika haben nichts zu essen, keine Unterkunft, keine Zukunft. Vor allem aber haben sie keinen inneren Frieden“, erklärt Katitsch die Situation der Jugendlichen. SERPAJ wolle mit den Dörfern diesen jungen Menschen aus vergessenen Vorstädten neue Zukunftschancen eröffnen.

Schnell kommt ein Gespräch zustande darüber, dass auch die Werdener Gemeinde SERPAJ unterstützt. Die Kinder schauen währenddessen auf der Adveniat-Landkarte, die am Kleiderständer hängt, wo denn eigentlich Argentinien liegt. Auf ihrem Heimweg haben die Gäste ein brasilianisches Friedensbändchen und eine der Friedenstauben aus Papier im Gepäck und viele neue Eindrücke von dem fernen Kontinent. (ml)