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Adveniat: "Von Menschen gemachtes Verbrechen"

Minas Gerais, Schlammlawine, Bergbau, Brasilien

Bereits vor drei Jahren brach das Rückhaltebecken einer anderen Eisenerzmine in Minas Gerais und überflutete ein ganzes Dorf mit giftigem Schlamm. Foto: Adveniat/Norbert Bolte

Die Polizei im brasilianischen Teilstaat Sao Paulo hat am Dienstag, 29. November 2019, zwei für den deutschen TÜV Süd tätige Ingenieure festgenommen. Laut Medienberichten sollen die beiden Ende September die Stabilität des Damms in Brumadinho attestiert haben, der am Freitag gebrochen war. Dabei barst das Abraumbecken des Bergbauunternehmens Vale. Bislang wurden 65 Leichen aus dem Schlamm geborgen; 279 Personen werden weiter vermisst.

Die Polizei durchsuchte am Dienstagmorgen (Ortszeit) das Büro des TÜV Süd in Sao Paulo; sie soll Computer und Unterlagen beschlagnahmt haben. Das Gutachten des TÜVs Süd diente laut Medienberichten als Grundlage für die im Dezember erteilte Betriebsgenehmigung. In der entscheidenden Sitzung soll aber auch über Risiken des Damms gesprochen worden sein. Ein Vertreter der staatlichen Umweltbehörde Ibama soll sich gegen die Genehmigung ausgesprochen haben. Die Polizei nahm am Dienstag auch drei Mitarbeiter des Konzerns Vale fest, die für die Kontrolle des Damms verantwortlich waren. Medien zufolge besteht der Verdacht, dass die Kontrollen nicht sorgsam durchgeführt oder die Risikostudien sogar gefälscht wurden. Die staatliche Umweltbehörde hat bereits Umweltstrafen von umgerechnet 58 Millionen Euro verhängt. Zudem fror Brasiliens Justiz auf Konten des Bergbauunternehmens vorsorglich rund 2,75 Milliarden Euro für mögliche Entschädigungen und künftige Strafen ein, wie es hieß. Vale kündigte an, jeder betroffenen Familie eine Soforthilfe von rund 23.250 Euro auszuzahlen. Das Unternehmen verlor am Montag an der Börse in Sao Paulo 16,5 Milliarden Euro, über 24 Prozent seines Börsenwerts.

Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat: Straflosigkeit darf sich nicht wiederholen

Unterdessen beklagte das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, der Bruch des 1976 von einer Tochter des deutschen Thyssen-Konzerns gebaute Damm sei "ein weiteres vorhersehbares Verbrechen der Bergbauindustrie an Mensch und Umwelt". Begriffe wie Katastrophe, Unfall oder Tragödie seien abzulehnen, erklärte Adveniats Brasilien-Referent Norbert Bolte. "Denn wir wissen, dass die Bergbauindustrie aus Habgier und ungebremstem Gewinnstreben unsere Berge, Wälder, das Grundwasser, die Flüsse, Fauna und Flora sowie unser historisches und kulturelles Erbe zerstört und das Leben so vieler Menschen vernichtet." Das Hilfswerk lehne ein "allein auf die Logik der Gewinnmaximierung ausgerichtetes Wirtschaftsmodell ohne Rücksicht auf das Leben der Menschen, die Umwelt und die begrenzten Ressourcen des Planeten" ab, wie es sich besonders in der Bergbauindustrie zeige, so Bolte. Bereits vor drei Jahren seien bei einem Staudammbruch 19 Menschen getötet worden; deren Angehörige warteten bis heute auf angemessene Entschädigung und Gerechtigkeit, erklärte Adveniat. "Der 25. Januar 2019 darf nicht in Vergessenheit geraten und es darf sich die Straflosigkeit nicht wiederholen wie im Fall des Verbrechens in Mariana", heißt es in der Solidaritätserklärung der von Adveniat unterstützten Umweltkommission Mariana.

Link zur Adveniat-Pressemitteilung zum Dammbruch in Brasilien: Ein vorhersehbares Verbrechen

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