Brasilien |

Adveniat-Projektpartner mit Mord bedroht

Zwei Adveniat-Projektpartner haben im nordöstlichen Bundesstaat Maranhão in Brasilien eine Morddrohung erhalten: Padre Inaldo Serejo, Koordinator der Landpastoral der Katholischen Kirche in der Region, und der Anwalt Diogo Cabral setzen sich seit Jahren für die Landrechte von Quilombola-Gemeinden in Maranhao ein. Während einer öffentlichen Anhörung zu einem Landdisput wurden beide Ende Juli von einem Landwirt mit dem Tode bedroht. Anfang August hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International daraufhin einen Aufruf zum Schutz der beiden veröffentlicht.

Laut Amnesty wurden bereits 30 Anführer der Quilombola-Gemeinden in der Region mit dem Tode bedroht. In diesen Gemeinden leben Nachfahren von entflohenen Sklaven, die laut brasilianischer Verfassung ein Recht auf das besiedelte Land haben. Immer wieder kommt es jedoch zu Landkonflikten mit weißen Farmern, die teilweise gewaltsam auf das Quilombola-Land vordringen.

Ende Juli kam es während einer Anhörung zu einem seit Jahren laufenden Landstreit zu der Morddrohung gegen Serejo und Cabral. Ein Farmer drohte, dass ihnen das gleiche Schicksal widerfahren würde wie der US-amerikanischen Missionarin Dorothy Stang. Diese war im Jahre 2005 in der Amazonasregion im Auftrag weißer Farmer von Auftragskillern ermordet worden.

In den letzten Monaten war es bereits zu mehreren gewaltsamen Vorfällen rund um die Quilombola-Gemeinden in Maranhão gekommen. Im Mai 2010 drohte ein anonymer Anrufer mit der Vergiftung von Lebensmitteln einer Gemeinde. Vor einigen Wochen wurde zudem in Büros der Landpastoral eingebrochen und Dokumente entwendet. In der Gemeinde Salgado, ebenfalls in Maranhão gelegen, sollen Farmer die Ernte der Quilombolas zerstört, Vieh getötet und Brunnen verschlossen haben. Zudem seien Anführer der Gemeinde mit dem Tode bedroht worden.

Die ersten Quilombola-Gemeinden wurden Ende des 16. Jahrhunderts von entflohenen Sklaven gegründet. Diese zogen sich in unzugängliche Regionen zurück, um dem Zugriff der weißen Sklavenhalter zu entfliehen. Die Verfassung von 1988 garantiert den heutigen Bewohnern dieser Gemeinden die gleichen Landrechte zu wie den Ureinwohnern Brasiliens. Dabei kommt es jedoch oftmals zu Konflikten mit Farmern, die die Rechte der Quilombolas ignorieren. Vertreter der Quilombolas werfen den Behörden und der Justiz zudem vor, dass die rechtliche Anerkennung des Besitzstatus über das Land zu langsam voranschreitet.