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Adveniat-Podium auf dem Katholikentag: Nein zur Gewalt!

Christian Frevel, Sebastian Koppers-Löhr, Felipe da Silva Freitas und Norbert Bolte (v.l.)
Christian Frevel, Sebastian Koppers-Löhr, Felipe da Silva Freitas und Norbert Bolte (v.l.)

„Als Christ muss ich die Konflikte der Welt als meine eigenen Konflikte annehmen.“ Das hat Felipe da Silva Freitas von der Nationalen Kampagne gegen Gewalt an Jugendlichen in Brasilien beim Katholikentag in Mannheim betont. „Die Probleme der griechischen Jugendlichen sind auch meine Probleme“, sagte der 24-Jährige auf dem Podium „Nein zur Gewalt! Jugendgewalt in Deutschland und Brasi-lien“ am 17. Mai. Mit ihm diskutierten Christian Frevel vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und Sebastian Koppers-Löhr vom Entwicklungspolitischen Ausschuss des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Mit der Veranstaltung lenkte Adveniat den Blick vom Katholikentag in Mannheim auf den Weltjugendtag, der 2013 in Rio de Janeiro stattfindet.

„Gewalt ist etwas, das nicht allein Brasilien betrifft, sondern ganz Lateinamerika“, sagte Christian Frevel. Allein in Honduras würden jährlich 72 Morde auf 100.000 Einwohner gezählt. Das würde bei 300.000 Einwohnern, die die Katholikentagsstadt Mannheim hat, 216 Morde im Jahr bedeuten. Brasilien verzeichne 22 Morde auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Afghanistan sind es 2,4, im Irak 2 und in Deutschland 0,98 pro 100.000 Einwohner. Laut einer Studie der „Stiftung Wissen-schaft und Politik“ in Berlin sei Lateinamerika „die unsicherste Region der Welt“, sag-te Frevel. Als Gründe hierfür nannte der Lateinamerika-Experte Korruption auf allen Ebenen, Straflosigkeit und soziale Ungerechtigkeit, die ganz besonders Indigene und Afroamerikaner treffe.

„Lateinamerika ist ein junger Kontinent“, sagte da Silva Freitas: In Brasilien sei das Durchschnittsalter 29,1 Jahre (in Deutschland liegt es bei 42,1 Jahren). „53 Millionen Menschen in Brasilien sind zwischen 15 und 29 Jahre alt“, sagte da Silva Freitas. Den jungen Menschen in Lateinamerika sei bei aller Unterschiedlichkeit eines ge-mein: die Erfahrung mit Gewalt. Laut einer Umfrage hätten 46 Prozent aller Jugendli-chen in Brasilien bereits einen Familienangehörigen oder einen Freund durch Gewalt verloren. 20 Prozent seien selbst schon Opfer von Überfällen gewesen und 11 Pro-zent hätten bereits selbst Gewalt erfahren.

Größtes Problem bei der Bekämpfung von Gewalt sei ein Modell, das allein auf Be-strafung ausgerichtet sei, sagte der 24-Jährige. „Wenn wir in Brasilien von Kriminali-tät sprechen, sprechen wir sofort von Strafe.“ Erziehung, Bildung, Emanzipation und Autonomie hingegen, seien keine Themen im Präventions-Diskurs. „Ein großer Feh-ler“, sagte da Silva Freitas, „denn Gewaltverbrechen nehmen durch Bestrafung zu“. „Wo Autoritarismus herrscht, da ist auch Gewalt“, sagte er, deshalb fuße die katholi-sche Jugendarbeit in Brasilien auf Bildung, Aktion und Spiritualität.

„Gewaltpräventive Arbeit kann nur dann funktionieren, wenn Jugendliche ihre Stär-ken und Talente entdecken“, sagte auch Koppers-Löhr vom BDKJ das gelte für jedes Land der Welt. Wichtig sei für junge Menschen, Lebenswelten miteinander zu teilen. Der Weltjugendtag in Rio de Janeiro biete die Möglichkeit, dass junge Menschen in Deutschland erfahren könnten, wie Jugendliche in Brasilien lebten. „Es gibt ein klei-nes Risiko, dass Ihr Eure Handys bei uns verliert“, sagte da Silva Freitas mit einem Augenzwinkern, aber ein brasilianischer Dichter sage: „Es ist das Risiko gerade, das uns zu Menschen macht.“


Seit mehr als 50 Jahren unterstützt Adveniat kirchliche Initiativen zugunsten der Ar-men und Benachteiligten in Lateinamerika und der Karibik. In den vergangenen 50 Jahren konnte Adveniat über 200.000 Projekte mit mehr als 2,3 Milliarden Euro för-dern. Adveniat denkt sich keine Projekte aus, die kirchlichen Partner vor Ort wissen am besten, welche Hilfe nötig und dringend ist. Um Abhängigkeiten zu vermeiden und Eigenverantwortung zu stärken, finanziert Adveniat nur einen Teil der Projektkosten.