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Adveniat: Indigene werden vertrieben und gezielt getötet

Zum Welttag der Indigenen am 9. August macht Adveniat auf die prekäre Lage der indigenen Völker in Lateinamerika aufmerksam und fordert die Unterzeichnung der internationalen Schutzbestimmung ILO 169.

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Die illegalen Goldgräbercamps im Südosten Perus hinterlassen verseuchte Flüsse und Böden und zerstören damit die Lebensgrundlage der dort lebenden indigenen Völker. Foto: Adveniat/Tina Umlauf

Zum Internationalen Tag der indigenen Völker am 9. August hat das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche Adveniat  auf die prekäre Lage von Indigenen hingewiesen. Der Gedenktag müsse ein "Tag der Trauer und des Aufschreis sein", erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Heinz am Donnerstag, 30. Juli 2020 in Essen. "Indigene werden systematisch von ihren angestammten Territorien vertrieben, gesellschaftlich ausgegrenzt und gezielt ermordet."

Heinz zitiert Zahlen der Nichtregierungsorganisation "Global Witness", wonach mehr als zwei Drittel der 212 weltweit getöteten Umweltschützer 2019 in Lateinamerika umgebracht wurden. 40 Prozent gehörten demnach indigenen Völkern an.

Goldsucher und Viehwirtschaft bedrohen Indigene

Der Adveniat-Hauptgeschäftsführer erinnerte daran, dass sich Papst Franziskus 2018 in Puerto Maldonado im peruanischen Amazonasgebiet direkt an die indigenen Völker gewandt und gesagt habe, "dass ihr mit eurem Leben in Wahrheit in die Gewissen schreit. Ihr seid lebendige Erinnerung an die Sendung, die Gott uns allen anvertraut hat: das 'gemeinsame Haus' zu bewahren."

Partner von Adveniat berichteten von einer zunehmenden Bedrohung. "Holzfäller, Goldsucher und Rinderbarone fühlen sich durch die Politik des rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro aufgefordert, immer weiter ins Amazonasgebiet vorzudringen", so Heinz.

Aber auch in anderen Ländern würden Indigene als Hindernis für die Ausbeutung von Rohstoffen und die Nutzung ihrer Territorien für Palmöl, Zuckerrohr oder Sojaplantagen sowie Rinderweiden betrachtet. Zudem bestehe die Gefahr, dass das Coronavirus zu den Indigenen eingeschleppt werde, betonte Heinz.

Adveniat fordert die Unterzeichnung der ILO 169

Aus seiner Sicht spielen die ursprünglichen Völker eine entscheidende Rolle bei der Frage, ob ein Klimakollaps abgewendet werden könne. "Die letzten intakten Regenwaldgebiete sind Territorien der indigenen Völker. Sterben die indigenen Völker, dann stirbt die Lunge der Erde." Optimistisch stimme ihn, dass die Forderung von Adveniat und anderer Gruppen, die internationale Bestimmung zum Schutz der indigenen Völker, die "ILO 169", zu unterzeichnen, in der Politik prominent angekommen sei.

Heinz erklärte, er halte einen gesellschaftlichen Wandel für notwendig. Und: "Die Kirche hat sich mit Papst Franziskus eindeutig als Verteidigerin der bedrohten Völker und der bedrohten Umwelt positioniert." Im Schlussdokument der Amazonas-Synode sei mehrfach von der Option für die indigenen Völker und deren Schutz die Rede.

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