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Adveniat-Geschäftsführer Klaschka über den Papstbesuch in Kuba

Papst Benedikt XVI. hat seine Apostolische Reise nach Mexiko und Kuba beendet. Prälat Bernd Klaschka hatte auf Einladung der Kubanischen Bischofskonferenz am Papstbesuch in Kuba teilgenommen. Carolin Kronenburg hat mit dem Adveniat-Geschäftsführer am 30. März in Essen gesprochen.

Prälat Klaschka, Sie haben auf Einladung der Kubanischen Bischofskonferenz am Papstbesuch in Kuba teilgenommen. Sie sind gerade in Deutschland zurück was hat Sie beeindruckt?

Prälat Klaschka: Ich habe zwei sehr beeindruckende Erlebnisse auf dieser Reise gehabt: Einmal während der Messe in Santiago de Cuba. Nach der Ankunft des Bildes der Virgen del Cobre gab es ein Schweigen vor Beginn der Eucharistiefeier. In diese Stille hat ein junger Kubaner hineingerufen: „Abajo con la dictadura!“ „Nieder mit der Diktatur!“ So etwas in eine Menge von 70.000 Menschen darunter Mitglieder der Partei zu rufen, bedeutet, sehr viel Mut und eine tiefe Überzeugung zu haben. Ich habe mich selber gefragt, ob ich in dem Wissen, dass ich dafür im Gefängnis lande, diesen Mut aufgebracht hätte. Der Ruf des Kubaners war für mich ein Zeichen.

Das zweite besondere Ereignis war die Messe auf der Plaza de la Revolución in Havanna, die sowohl optisch als auch inhaltlich durch zwei Gegenpole gekennzeichnet war: Auf der einen Seite das übergroße Che-Guevara-Bild mit dem Zitat „bis zum immerwährenden Sieg“. Und auf der anderen Seite der Altar Christi, der das wahre Leben ist. Dieses Bild, das auch durch die deutschen Medien ging, macht das Spannungsfeld deutlich, in dem die Kubaner ihren Glauben leben. Katholisch zu sein ist mühevoller Alltag und große Herausforderung zugleich. In seiner Predigt sagte der Papst, dass er gekommen sei, um den Menschen Jesus Christus anzubieten, den Weg, die Wahrheit und das Leben.

Ihre Erlebnisse verdeutlichen die politische Dimension einer pastoralen Reise des Papstes. Wozu hat der Papst denn in seinen Ansprachen und Predigten aufgefordert?

Prälat Klaschka: Bereits auf dem Hinflug nach Kuba hatte Papst Benedikt XVI. im Flugzeug betont, die marxistische Ideologie gebe keine Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft. Das ist eine sehr deutliche Aussage. Es war meiner Meinung nach auch klug, das im Flugzeug zu sagen und nicht auf Kuba selbst. Der Papst hat die Menschen und die Kirche bestärkt und sie ermutigt, den eingeschlagenen Weg, der auch schon von kleinen Veränderungen gekennzeichnet ist, weiterzugehen. Er hat gesagt, dass sowohl Kuba als auch die Welt Veränderungen brauchen durch mehr Gerechtigkeit. Und er hat sie aufgefordert, den Weg zu Christus zu gehen, der das wahre Leben und die wahre Freiheit ist. Er hat für die Kubaner und für die Kirche auf Kuba Freiheit und die Menschenrechte eingefordert.

In der deutschen Presse wurde immer wieder kritisiert, dass sich Papst Benedikt XVI. nicht mit Dissidenten getroffen hat. Wie schätzen Sie das ein?

Prälat Klaschka: Die Kritik, sich nicht mit Dissidenten getroffen zu haben, ist meiner Meinung nach in einem größeren Kontext zu sehen. Erst aufgrund des Einsatzes der Kirche, insbesondere von Kardinal Ortega, hat es in der Vergangenheit eine Öffentlichkeit für die Damas de Blanco und die politisch Inhaftierten gegeben. Viele Gefangene wurden in der Vergangenheit aufgrund der klugen Intervention der katholischen Kirche freigelassen. Kardinal Ortega war selbst in einem Arbeitslager und versucht seinen Landsleuten dieses Schicksal zu ersparen. Vor diesem Hintergrund wäre ein Treffen des Papstes mit den Dissidenten kontraproduktiv gewesen denn dem Papst kommt es nicht auf Momente und Events an, sondern auf langfristige Prozesse. Es geht ihm darum, allen Menschen ein Leben in Freiheit zu ermöglichen, das hat er immer wieder betont. Unabhängig von einem Treffen mit den Dissidenten und den Familienangehörigen der Inhaftierten hat er die Menschen darin bestärkt, ihren Weg in Richtung Freiheit weiterzugehen.

Adveniat unterstützt die Kirche auf Kuba seit 50 Jahren. Welche Projekte fördern Sie? Und wie reagieren die kubanischen Katholiken auf die Hilfe aus Deutschland?

Prälat Klaschka: Wir waren mit einer Gruppe von Laien, Bischöfen und Priestern zusammen und haben uns einander vorgestellt. Als ich sagte, dass ich der Geschäftsführer von Adveniat bin, fragte ein Spanier, was Adveniat denn in Kuba fördere? Da rief der Bischof der kubanischen Diözese Holguín ganz laut: „El es nuestra vida“ „Er ist unser Leben.“ Also ohne Adveniat, die Solidarität der Katholiken in Deutschland, wäre das Leben der Kirche auf Kuba gar nicht möglich. Die Förderschwerpunkte liegen im Bereich Bildungsmaßnahmen, Hilfe für kirchliche Medien, Evangelisierungsarbeit, Priesterausbildung, Unterstützung der Arbeit von Ordensschwestern und die Schaffung von Infrastruktur.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Kubaner?

Prälat Klaschka: Ich wünsche mir für die Kubaner ein Leben in Freiheit und dass sie ihr Leben so gestalten können, wie sie es möchten. Und dass sie diese Freiheit, die Teil der Menschenwürde ist, in Gerechtigkeit verwirklichen können.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Prälat Klaschka.