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Adveniat fordert Verbindung von kirchlicher Lehre und kirchlichem Handeln

Eine Verbindung von kirchlicher Lehre und kirchlichem Handeln mahnt das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat an. Die rechte Lehre ohne richtiges Handeln sei „hohles Geschwätz“, sagte Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka am Montagabend der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Mülheim. Es sei richtig, dass viele Basisgemeinden der 1980er-Jahre in Lateinamerika, vor allem Brasiliens, von der Amtskirche und auf vatikanisches Geheiß ausgeschaltet worden seien. Zugleich betonte Klaschka, den theologischen Kern der Befreiungstheologie habe sich die Kirche seitdem sehr wohl zu eigen gemacht.

Anstoß habe Rom vor allem am politischen, mancherorts sozialistischen oder marxistischen Engagement vieler Theologen genommen, führte der Adveniat-Geschäftsführer aus. Hinter dieser Frage stehe die Frage nach dem historischen Verhältnis der katholischen Hierarchie zur politischen Macht. Es habe damals viele politische Allianzen von Bischöfen gegeben und gebe sie teils heute noch. Viele dieser Bischöfe hätten sich damals von einer Forderung der Laien nach Mitsprache bedroht gefühlt und sie zum Schweigen gebracht.

Es gebe eine weit verbreitete Meinung unter Bischöfen, der theologische Kern der Befreiungstheologie, die „vorrangige Option für die Armen“, habe nichts zu tun mit konkreten politischen Systemen, so Klaschka. Und wörtlich: „Wenn in den 1980er-Jahren Bischöfe so positiv über die Befreiungstheologie gesprochen hätten wie zuletzt der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bei seinem Besuch in Lima, dann hätte sie heute einen ganz anderen Stellenwert, als sie es hat.“ Der Adveniat-Geschäftsführer lobte, Müller kritisiere mit harschen Worten, „wie ich sie niemals verwenden würde“, die Politik von Ortsbischöfen in Lateinamerika.
Ein solcher politischer Kurs sei aber „nicht vom Himmel gefallen“, sondern eine „Frucht der Politik aus dem Vatikan“.

Befreiungstheologie beinhalte die Aussage, dass Gott Mensch geworden sei, betonte Klaschka - „Mensch geworden und nicht katholischer Christ“. Kirche müsse also für alle Menschen da sein. Diese Botschaft habe auch Papst Benedikt XVI. bei der Vollversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM 2007 in Aparecida bestätigt und theologisch vertieft. Insofern sei die Befreiungstheologie mit ihrem Grundsatz „sehen - urteilen - handeln“ heute auch im Herzen der Kirche angekommen. - Der Prälat äußerte sich am Rande einer Lateinamerika-Tagung in Mülheim, mit der Adveniat sein 50-jähriges Bestehen begeht. (KNA)