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„Brasilien ohne Elendâ€? um Agrarreform erg?€nzen

Die Nichtregierungsorganisation Repórter Brasil hält die Ergänzung des Armutsbekämpfungsprogramms Brasil sem Miséria (Brasilien ohne Elend) durch eine Agrarreform für unerlässlich. Die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff müsse endlich die Demokratisierung von Land auf die Tagesordnung setzen.

Repórter Brasil bezeichnet eine Agrarreform als eine Form staatlicher Politik, die am besten geeignet sei, Menschen zur Teilhabe an der Gesellschaft zu verhelfen und die extremen Ungleichheiten in Brasilien zu bekämpfen. Das Regierungsprogramm Brasil sem Miséria (Brasilien ohne Elend) soll 16,3 Millionen Menschen (8,6% der Bevölkerung) zugute kommen, die in extremer Armut leben. Es richtet sich an Familien mit einem Monatseinkommen von bis zu 70 Reais (kaum mehr als 30 Euro) pro Kopf. Präsidentin Dilma Rousseff hat das Programm zu einem der Hauptanliegen ihrer Amtszeit erklärt.

Landarmut lässt Städte explodieren

Über 7,5 Millionen Brasilianer leben auf dem Land in extremer Armut. Während in den Städten nur jeder 20. im Elend lebt, ist es auf dem Land jeder Vierte. Es sei also klar, wo der Hebel angesetzt werden müsse, so Repórter Brasil. Schließlich habe hier auch das ungebremste Wachstum der brasilianischen Metropolen mit all seinen Folgewirkungen eine Hauptursache.

Die brasilianische Ministerin für Sozialentwicklung, Tereza Campello, habe in einer Zeitung kürzlich viel zur Armutsbekämpfung auf dem Land gesagt, jedoch kein Wort über das Heer an Landlosen verloren, kritisiert Repórter Brasil. Diese lebten in der Hoffnung auf ein kleines Stück Land in improvisierten Lagern. Die extrem hohe Konzentration an Landbesitz und die anhaltenden Konflikte würden von der Ministerin noch nicht einmal erwähnt. Als ob sich das Elend auf dem Land ohne eine Agrarreform bekämpfen ließe. Präsidentschaftsminister Gilberto Carvalho wiederum habe in einem Interview eingeräumt, dass die Regierung noch keine Position hinsichtlich der Ziele einer Agrarreform habe.

Aus der Familienhilfe "Bolsa Família" lernen

Das Armutsbekämpfungsprogramm "Brasil sem Miséria" soll eine dreiteilige Strategie verfolgen: neben der Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten ist die Ausweitung von Dienstleistungen im Bereich Bildung und Gesundheit geplant, hinzu kommen Geldtransfers, ähnlich wie im Programm „Bolsa Família” der Regierung Lula. Als dessen Nachfolger versteht "Brasil sem Miséria" sich auch, aus den Schwächen sollen Schlüsse gezogen werden.

Kritik hatte sich vor allem an dem bloßen Transfer von Geld an die Armen entzündet. Diese beschränkte sich keineswegs auf konservative Kreise. Die Grenze bei „Bolsa Família” lag über den jetzt festgelegten 70 Reais, so dass die Zielgruppe größer war. Allerdings sollen einzelne Bestandteile von Brasil sem Miséria auch jetzt Familien mit einem Pro-Kopf-Einkommen zwischen 70 und 140 Reais zugänglich sein.

Bernd Stößel

Quellen: Adital und Kooperation Brasilien - KoBra