|

Absage an Aluminiumschmelze


Die neue Regierung von Trinidad und Tobago fackelte nicht lange. In weniger als 30 Sekunden entschied Finanzminister Winston Dookeran, eine geplante Aluminiumschmelze zu kippen. An dem mehr als 66 Millionen US‐Dollar schweren Projekt ´Alutrint´ waren Investoren aus China und Brasilien beteiligt.

Hohe Risiken für Mensch und Umwelt

Dookeran begründete die Absage mit hohen Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit. "Wir haben außerdem ernsthafte Zweifel daran, dass ´Alutrint´ rentabel wäre und unsere Gasreserven optimal genutzt würden", erklärte der Minister, der dem Kabinett von Premierministerin Kamia Persad Bissessar angehört. An einer Alternative werde nun gearbeitet.

Die indischstämmige Politikerin, deren Partei ´United National Congress´ die Regierungskoalition ´People´s Partnership´ anführt, ist seit Ende Mai das erste weibliche Oberhaupt des Karibikstaates.

Die Vorgängerregierung von Premier Patrick Manning hatte den Bau der Fabrik, in der jährlich rund 125.000 Tonnen Aluminium aus dem Ausland verarbeitet werden sollten, vehement unterstützt. Vorgesehen war, dass der brasilianische Konzern ´Votorantim´ zu 40 Prozent und der Staat Trinidad und Tobago zu 60 Prozent an dem Projekt beteiligt werden sollten.

Illegal ausgestelltes Unbedenklichkeitszertifikat

Zur Deckung der Baukosten stellte die chinesische ´Exim Bank´ einen Kredit von 66,6 Millionen Dollar bereit. Im vergangenen Jahr verfügte jedoch der oberste Gerichtshof der Karibikinsel einen Stopp. Die Richter waren zu dem Schluss gekommen, dass die Umweltbehörde EMA auf illegale Weise ein Unbedenklichkeitszertifikat ausgestellt hatte. Gegen das Urteil legte die Manning‐Regierung Berufung ein.

Naturschützer hatten davor gewarnt, dass das Schmelzen von Aluminium Giftstoffe freisetzen würden, die die Gesundheit der Anwohner schädigten. Die Verantwortlichen hätten zwar zugesichert, Sicherheitsstandards einzuhalten, sagte der Umweltaktivist Wayne Kublalsingh im Gespräch mit IPS. "Niemand hat uns jedoch gesagt, wie die Abfälle entsorgt würden."

Gesundheitliche Folgen unklar

Kublalsingh verwies auf Untersuchungen des Karibischen Rats für Gesundheitsforschung und des Internationalen Instituts für Gesundheitsfürsorge und menschliche Entwicklung. Demnach hätten sich die Bewohner umliegender Dörfer alle sechs Monate auf Krebs testen lassen müssen, wenn ´Alutrint´ in Betrieb gegangen wäre.

Der Journalist David Renwick, der für seine Energieberichterstattung 2008 mit einem nationalen Preis ausgezeichnet wurde, vertritt eine andere Ansicht. Dass Aluminiumschmelzen eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellten, müsse nicht sein. Es gebe genügend Untersuchungen aus Ländern, in denen seit Jahrzehnten Aluminium produziert wird, die dies widerlegten, sagt er.

Wirtschaftlicher Nutzen in Frage gestellt

Für die neue Regierung stand aber auch der wirtschaftliche Nutzen des Projekts in Frage, wie Planungsministerin Mary King zum Abschluss der Haushaltsdebatte im Parlament hervorhob. "Wir haben hier weder Bauxit noch Aluminium", sagte sie. Außerdem habe das Land keinen Zugang zu den großen Aluminiummärkten und verfüge über zu wenige Erfahrungen auf diesem Gebiet. Dookeran räumte allerdings ein, dass es viel diplomatisches Verhandlungsgeschick erfordern werde, sich aus den bestehenden Verträgen zurückzuziehen.

Die Kontroverse um die Aluminiumschmelze war eines der heißen Themen des Wahlkampfes gewesen. Die oppositionelle Partei ´People´s National Movement´ erinnert daran, dass die Regierung zahlreiche Stimmen von den Menschen erhalten hat, die von der Fabrik profitiert hätten.

Protestkundgebungen von Befürwortern

Während der jüngsten Parlamentssitzungen kam es zu Protestkundgebungen von Befürwortern der Schmelze, die sich neue Arbeitsplätze erhofft hatten. "Gebt uns das Projekt, für das wir schon so viel gezahlt haben", forderte ein Demonstrant. "Die Regierung hat sich mit befreundeten Umweltschützern zusammengeschlossen, ohne uns zu fragen."

Nach Angaben der neuen Energieministerin Carol Seepersad‐Bachan soll an Stelle der Aluminiumschmelze eine Fabrik entstehen, in der anorganische Chemikalien, Glass, Plastik oder Agrarprodukte hergestellt werden. Auch die Erzeugung alternativer Energien ist als Option im Gespräch.

Autor: Peter Richards, deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe in: IPS Weltblick