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Abholzungswelle droht vor neuem Waldgesetz

Experten fürchten eine Abholzungswelle in Brasiliens Wäldern, so lange das neue Waldgesetz noch nicht gilt. Der Gesetzentwurf sieht einen Abholzungsstopp von fünf Jahren vor, allerdings erst ab dem Datum seines Inkrafttretens. Noch müssen Senat und Abgeordnetenhaus dem neuen Gesetz zustimmen, was aber möglicherweise erst im nächsten Jahr geschehen wird, wie brasilianische Zeitungen am Donnerstag berichteten. Diese Zeitspanne könnten Landbesitzer nutzen, um weiter Wälder zu roden oder zumindest offizielle Genehmigungen für eine spätere Abholzung einzuholen.
Umweltschützer kritisieren zudem, dass das neue Gesetz alle vor Juli 2008 durchgeführten illegalen Abholzungen legalisieren will und dass die Schutzzonen entlang von Flussläufen von 30 Meter auf nur noch 15 Meter verringert werden sollen. Darüber hinaus sollen Landbesitzer in großem Umfang von der Verpflichtung befreit werden, einen Teil ihrer Ländereien als Schutzzonen in unberührtem Zustand zu belassen.
Während der Beratungen über das neue Waldgesetz Anfang der Woche war es zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Abgeordneten und Umweltschützern gekommen. Greenpeace warf den Befürwortern Wahltaktik auf Kosten des Umweltschutzes vor. Die Mehrheit der Abgeordneten, die für das Gesetz stimmten, steht den Bauern- und Landbesitzervereinigungen nahe. Diese hatten sich in der Vergangenheit vehement für eine Lockerung der Umweltschutzbestimmungen eingesetzt.
Umweltschützer bezeichnen den Gesetzentwurf als "größten Rückschritt, den die Waldgesetzgebung jemals erlitten hat". Er gebe grünes Licht für noch mehr Zerstörung und eine "weitreichende Amnestie für alle, die in den letzten Jahrzehnten illegal abgeholzt und Verbrechen gegen die Umwelt begangen haben".
In Brasilien finden im Oktober allgemeine Wahlen statt. Mit einer Abstimmung über das neue Waldgesetz wird erst nach diesen Wahlen gerechnet.

Quelle: kna