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Abholzung im Amazonasgebiet auf Zehn-Jahres-Hoch

Gerodete Waldfläche im brasilianischen Amazonas-Gebiet. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

Seit 2008, als 12.900 Quadratkilometer gerodet wurden, lagen die Zahlen stets deutlich niedriger. Experten erwarten für 2019 einen weiteren Anstieg.

Neben illegalem Holzschlag sei auch das trockene Klima für den Waldverlust verantwortlich. Mangels Regen sei es zu mehr Waldbränden gekommen als sonst. Seit 1999 werden die Buschfeuer mit Satellitenaufnahmen gezählt. So viele Brände wie im vergangenen Jahr gab es noch nie. Zudem habe der für den Export günstige Kursverfall des Real gegenüber dem Dollar den Bedarf der Landwirtschaft nach neuen Produktionsflächen gesteigert. "Die Zahlen der Zerstörung waren ja schon hoch und inakzeptabel, aber jetzt wurden sie noch einmal schlimmer", so Marcio Astrini von Greenpeace. Die Schuld liege bei den Politikern in der Hauptstadt Brasilia. "Das Machtzentrum begünstigt die Umweltvergehen in den Weiten Amazoniens." Allein im vergangenen Jahr habe Brasilien 1,2 Milliarden Bäume verloren. Die Zerstörung entspreche einer Fläche von knapp einer Million Fußballfeldern.

Mit Skepsis sieht Greenpeace die Zukunft des Waldes unter dem künftigen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro. Dieser hatte bereits angekündigt, Umweltauflagen zugunsten der Landwirtschaft abzubauen und zahlreiche Infrastrukturprojekte in der Region voranzubringen. Seit August, als sich Bolsonaros Wahlsieg abzeichnete, sind die Rodungszahlen offenbar in Erwartung künftiger Straffreiheit deutlich gestiegen. Staatliche Quellen sprechen von einem Anstieg von 48,8 Prozent zwischen August und Oktober. Allerdings sind diese Zahlen Teil des nächsten offiziellen Berichts, der Ende 2019 veröffentlicht wird. Damit seien die von Brasilien im Pariser Klimavertrag eingegangenen Zusagen zur Reduzierung von CO2 gefährdet, so Astrini. Bolsonaro, der ab Januar das Amt von Präsident Michel Temer übernimmt, hatte im Wahlkampf mit dem Ausstieg aus dem Klimavertrag gedroht. Er befürchtet, dass die Vereinten Nationen Brasilien mit Hilfe des Vertrags die Souveränität über die Amazonasregion entziehen wollen. Diese Theorie verbreitet er bereits seit Jahren erfolgreich über die sozialen Netzwerke.

Brasiliens Militärdiktatur (1964-85) hatte Ende der 60er Jahre mit der Erschließung der Amazonasregion begonnen. In den 90er Jahren wurden zeitweise bis zu 30.000 Quadratkilometer jährlich abgeholzt. Die 2003 ins Amt gekommene Linksregierung von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva reduzierte die Abholzung durch verschärfte Kontrollen drastisch. 2012 wurde mit 4.500 Quadratkilometern ein historisches Tief erreicht. Danach nahmen die Rodungen wieder zu.

Quelle: KNA

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