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Abfall zu Energie Energie aus Biomasse im Aufwind

Argentinien will den Anteil an Biomasse in seinem Energiemix erhöhen. Das Landwirtschafts- und das Energieministerium kündigten eine entsprechende Zusammenarbeit an, um von heute 3,5 Prozent Anteil auf zehn Prozent im Jahr 2015 zu kommen.

Das Programm ´Probiomasa´ hat drei Ziele: Erstens geht es darum, Gelder für den Import fossiler Kraftstoffe einzusparen. Zweitens sollen die Lebensbedingungen in den ländlichen Gebieten verbessert werden, indem die Bauern zusätzlich mit den Abfällen der landwirtschaftlichen Produktion Geld verdienen können. Drittens soll die Umweltverschmutzung reduziert werden. Claudia Peirano, Leiterin der argentinischen Vereinigung für Forstwirtschaft, erklärte gegenüber IPS, dass es

für die Forstwirtschaft von großem Vorteil sei, wenn Biomasse verstärkt genutzt werde. Zum einen könne sie daraus Energie für den Eigenbedarf gewinnen, zum anderen die Überschüsse verkaufen und zusätzliche Gewinne erzielen.

Energie aus Biomasse könnte die Hälfte des Energiebedarfs decken

Das Holzunternehmen Alto Paraná und die Papierfabrik Papel Misionero, die beide in der nordargentinischen Provinz Misiones sitzen, produzieren bereits ihre eigene Energie aus Sägespäne, die in der Holzverarbeitung anfällt. "Mit den Überschüssen werden Heizung und Klimaanlage in Hotels entlang der Iguazú- Wasserfälle betrieben ", sagte Peirano. In einigen Fällen sei es zwar auch möglich, die gleiche Biomasse für die Produktion von Papier oder Zellulose zu verwenden. Damit lasse sich mehr Geld verdienen. Doch die Investitionskosten dafür seien viel höher als für die Produktion von Biomasse.

Einer Untersuchung der Welternährungsorganisation FAO zufolge hat Argentinien das Potenzial, die Hälfte seines Energieverbrauchs durch Biomasse zu bestreiten. Im Bericht heißt es, dass die Produktionsbedingungen in Argentinien viel besser seien als dies der Staat selbst annehme. Bisher produziert Argentinien 7,9 Millionen Tonnen Biomasse pro Jahr. Dies könne auf 148 Millionen Tonnen gesteigert werden. Eine Landkarte zeigt im Bericht so genau wie möglich die Potenziale für Biomasse in den einzelnen Provinzen an.

Demnach liegen die größten Potenziale in Misiones. Doch auch in den anderen nordargentinischen Provinzen ist das Potenzial enorm, so in Santiago del Estero, Tucumán, Salta, im Chaco und in Formosa. Darüber hinaus lasse sich in der zentralargentinischen Provinz La Pampa ein großer Ertrag erzielen sowie in Feuerland, der südlichsten Provinz des Landes. Neben den Holzabfällen können für die Produktion von Biomasse unter anderem auch Reste aus dem Wein und dem Reisanbau genutzt werden. Außerdem eignen sich die Abfälle der Zucker-, Zuckerrohr- und Mate-Plantagen, der Baumwoll- und öl-Industrie sowie des Erdnussanbaus.

Aschenputtel unter den Energiequellen

Für die FAO gilt die Biomasse als Aschenputtel unter den Energiequellen. Weltweit sei sie politisch fast unsichtbar und ihr Potenzial für die Entwicklung aufstrebender Volkswirtschaften wie die Argentiniens werde vollkommen verkannt. Doch Potenzial ist nicht alles. "Eine Sache ist das Potenzial, die andere die Wirtschaftlichkeit", sagte Jorge Hilbert gegenüber IPS. "Der Rohstoff ist vorhanden, aber wenn der Preis für die Energie, die man daraus herstellen kann, geringer ist als die Kosten für die Produktion, dann ist das unwirtschaftlich", sagte der Koordinator des Nationalen Programms für Bioenergie des Nationalen Instituts für landwirtschaftliche Technologie gegenüber IPS. "Wenn die Preise nicht stimmen, wird es auch kein Geschäft geben."

Autorin: Marcela Valente, deutsche Bearbeitung: Johanna Treblin

Quelle: IPS