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85. Geburtstag - Portrait von Emil Stehle

„Don Emilio“,

hinter dieser liebevollen Anrede , sozusagen einem Ehrentitel, den ihm die Lateinamerikaner gegeben haben, steht die Person des ehemaligen Geschäftsführers von Adveniat und emeritierten Bischofs von Santo Domingo de los Colorados in Ecuador, Emil Lorenz Stehle.

Schlichtes Auftreten, aufmerksam-geduldiges Zuhören, diplomatisches Gespür gewürzt mit Humor und einer gewissen „Bauernschläue“, getragen von einem lebendigen Glauben und Gottvertrauen, ließen ihn zu einem kompetenten Gesprächspartner, Berater und Vermittler in vielen großen und kleinen Konflikten im kirchlichen und weltlichen Bereich werden, in Deutschland und in Süd- und Mittelamerika.
Am 3. September 1926 wurde Emil Stehle in Herdwangen-Mühlhausen (Südbaden) als achtes Kind von neun Geschwistern einer einfachen Bauernfamilie geboren. 1951 in der Erzdiözese Freiburg zum Priester geweiht, stellte Stehle sich nach sechs Kaplansjahren dem Katholischen Auslandssekretariat zur Verfügung, um in Bogotá/Kolumbien eine Gemeinde für deutschsprachige Katholiken aufzubauen.

Bischof Dr. Franz Hengsbach, Vorsitzender der Bischöflichen Aktion Adveniat, hatte wohl erahnt, als er Pfarrer Stehle 1968 beim Eucharistischen Weltkongress in Bogotá begegnete, was der junge deutsche Pfarrer für Adveniat bedeuten könnte.
So ernannte er ihn 1969 zunächst zum Berater Adveniats mit Sitz in Bogotá und erteilte ihm den Auftrag, die Kontakte zum Lateinamerikanischer Bischofsrat CELAM aufzubauen, alle lateinamerikanischen Bischofskonferenzen zu besuchen und mit ihnen die Schwerpunkte der Adveniat-Hilfe zu beraten. Im Oktober 1972 holte Bischof Hengsbach Msgr. Emil Stehle als Zweiter Geschäftsführer in die Geschäftsstelle nach Essen. Von 1977 bis 1988 leitete er Adveniat als Geschäftsführer.

Es ergab sich, dass im lateinamerikanischen Episkopat mehr als einmal der Wunsch aufkam, Don Emilio zu einem der ihren zu machen. Das gelang dann, als er 1983 in Rom zum Bischof geweiht und dem Erzbischof von Quito in Ecuador als Weihbischof zur Seite gestellt wurde. Von jetzt an war er mehr denn je Wanderer zwischen zwei Welten.
Für seinen großen Einsatz, besonders bei den Friedensbemühungen in Zentralamerika, die Befreiung von sieben Aufbauhelfern in Nicaragua und die Pionierarbeit in Santo Domingo de los Colorados in Ecuador wurde Bischof Stehle mehrfach ausgezeichnet: mit drei Ehrendoktor-Titeln und dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
2002 kehrte er in seine Heimatdiözese Freiburg zurück und lebt seitdem in Konstanz am Bodensee. Seinem Nachfolger konnte er ein „wohlbestelltes Haus“ hinterlassen mit zahlreichen neu gegründeten Pfarreien, Kapellengemeinden, einem Priesterseminar und sozialen Werken.