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83 Tote durch US-Experimente Ende der ´40er Jahre

Die medizinischen Experimente, die US-Mediziner von 1946 bis 1948 an 5.500 Guatemalteken ausführten, haben mindestens 83 Menschen das Leben gekostet. Dies hat jetzt ein US-Komitee für Bioethik bestätigt. Medien-Kommentare in Guatemala vergleichen die Vorgänge mit den Experimenten der Nazi-Ärzte an Juden, Roma, Homosexuellen und Geisteskranken während des Zweiten Weltkriegs.

Randgruppen als Versuchskaninchen

Das Komitee erklärte, dass die Opfer – Soldaten, Geisteskranke, Prostituierte und Häftlinge – zu keinem Zeitpunkt über den Charakter der Versuche informiert worden seien, geschweige denn, dass ihre Einwilligung eingeholt wurde. Die mindestens 83 Opfer seien an Körperreaktionen gestorben, die entweder direkt oder indirekt durch die Experimente hervorgerufen wurden. Viele der menschlichen „Versuchskaninchen“, von denen die Mehrheit gesellschaftlichen Randgruppen angehörte, seien mit Geschlechtskrankheiten wie Gonnorhoe (Tripper) und Syphilis geimpft worden. Ziel war es, die Wirkung von Penicillin auf diese durch Sexualkontakt übertragenen Krankheiten zu überprüfen.

Fünf noch lebende Opfer gefunden

Der Skandal war erst im Oktober 2010 publik geworden durch eine Forschung von US-Medizinern, die in Verbindung mit den National Institutes of Health (NIH) stehen. Die NIH sind eine Behörde des US-Gesundheitsministeriums. Außenministerin Hillary Clinton entschuldigte sich daraufhin bei den Behörden Guatemalas.

Das mittelamerikanische Land wurde durch die Enthüllungen im Mark getroffen. Präsident Álvaro Colom sprach von einem Akt des Völkermords an den Guatemalteken. Vizepräsident Rafael Espada zufolge – der Herzchirurg steht für die guatemaltekische Seite an der Spitze der Aufklärung des Skandals – konnten noch fünf Personen gefunden werden, die seinerzeit geimpft wurden. Die Opfer, die inzwischen 84 und 85 Jahre alt sind, sollen nun medizinisch untersucht werden, um die Schwere der Infizierungen zu ermitteln.

Bericht für Präsident Obama

In den USA arbeiten Wissenschaftler der University of Pennsylvania in Philadelphia an den Fällen. Sie werden einen Bericht an Präsident Barack Obama übergeben. Die guatemaltekische Kommission ihrerseits soll die abschließenden Befunde Ende Oktober aushändigen. Ein Entwurf liegt Präsident Colom bereits vor.

Die Experimente Ende der ´40er Jahre brachten keine brauchbaren medizinischen Ergebnisse. Fest steht dagegen, dass Wissenschaftler zur Förderung ihrer Karriere bereit waren, die Menschenwürde mit Füßen zu treten.

Autor: Bernd Stößel