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80 Jahre Ibero-Amerikanisches Institut

Es ist die größte Forschungseinrichtung zu Iberoamerika außerhalb Amerikas und der iberischen Halbinsel. Integraler Bestandteil dieser Einrichtung im Berliner Ortsteil Tiergarten ist die drittgrößte spanischsprachige Bibliothek der Welt. Es heißt, dass Wissenschaftler in Buenos Aires sich bisweilen augenzwinkernd mit „Wir sehen uns im Ibero“ verabschieden, und einige der in Berlin akkreditierten Botschafter nennen das Haus, wo sie selbstverständlich ein- und ausgehen, schlicht und einfach „segunda casa“, ihr zweites zu Hause. Das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) ist ohne Zweifel eine der angesehensten Einrichtung zur Kultur- und Wissensvermittlung zwischen Deutschland auf der einen und Lateinamerika, dem Karibikraum, Spanien und Portugal auf der anderen Seite.

Am 14. Oktober feierte das Institut seinen 80. Geburtstag. Es seien gerade „glückliche Tage für ganz Lateinamerika“, betonte Antonio Skármeta, chilenischer Schriftsteller und Festredner des Abends: Die Rettung der verschütteten Bergleute in Chile, die Verleihung des Literaturnobelpreises an Mario Vargas Llosa aus Peru, der gelungene Auftritt Argentiniens auf der Frankfurter Buchmesse, und nun auch noch die Geburtstagsfeier des IAI. Die in großer Zahl erschienenen Besucher bedachten Skármeta mit überaus freundlichem Applaus.

Großzügige Schenkung

Das Ibero-Amerikanische Institut wurde im Jahr 1930 – mitten in der Weltwirtschaftskrise – durch den Preußischen Staat gegründet. Den Ausschlag gab die Schenkung einer 82.000 Bände umfassenden Bibliothek, die der argentinische Autor und Gelehrte Ernesto Quesada zusammengetragen hatte. Fast zeitgleich gingen die Privatbibliothek des in Bonn lehrenden Geografen Otto Quelle und die Mexiko-Sammlung von Hermann Hagen in die neue Einrichtung über. Da das Institut ab 1934 einen nationalsozialistischen Kurs fuhr, waren die Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst gegen eine Weiterführung der Arbeit und erlaubten lediglich die Errichtung einer Lateinamerikanischen Bibliothek. Erst Mitte der 50er Jahre wurde das IAI wiedergegründet. Seit 1962 arbeitet es unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Auch heutige ist die gut 830.000 Bücher umfassende Bibliothek, die zudem Tonträger, Karten, Fotografien, Plakate, Grafiken und Zeitungsausschnitte sammelt, das Herzstück der Arbeit des IAI. Im vergangenen Jahr wurden 151.000 Medieneinheiten entliehen, und nicht selten halten sich namhafte Nutzer in den Lesesälen auf. So trug Vargas Llosa vor einigen Jahren das Faktenwissen für seinen Roman „Das Fest des Ziegenbocks“, das sich mit der Diktatur unter Rafael Trujillo in der Dominikanischen Republik beschäftigt, in der Institutsbibliothek zusammen.

Kultur für Berliner

In der Berliner öffentlichkeit wird das IAI vor allem als Kulturzentrum wahrgenommen. 2009 fanden dort rund 80 Veranstaltungen statt, häufig in Zusammenarbeit mit Botschaften und Kulturvermittlern aus verschiedenen Ländern. Passend zu den Bicentenario-Feiern, die an den Beginn der Unabhängigkeitsbewegungen von Mexiko, Venezuela, Argentinien, Chile und weiteren Staaten erinnern, wurde gerade die Ausstellung „Miradas alemanas – Deutsche Blicke auf Lateinamerika“ eröffnet. Auch diese Schau dürfte dem vornehmlichen Ziel des IAI dienen, wie es Antonio Skármeta formuliert hat: Der Beseitigung gegenseitiger falscher Vorstellungen.

Autor: Thomas Völkner