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70.000 Bewohner, 700 Polizisten und 80 Kameras

Eine verdächtige Person, ein Unfall, ein bewaffneter Konflikt - nichts bleibt zukünftig den Augen der Polizei verborgen. Dafür sorgen 80 an insgesamt 14 strategischen Punkten von Rio de Janeiros größter Favela Rocinha installierte Videokameras. Ziel ist eine verstärkte Sicherheit für die Bewohner der seit über einem Jahr besetzten Favela, in der es trotz der massiven Polizeipräsenz immer wieder zu Konflikten mit bewaffneten Drogendealern kommt.

Ende 2011 hatten Polizisten und Soldaten den Rocinha-Komplex besetzt und dabei die dort seit Jahrzehnten herrschenden Drogenbanden vertrieben. Ende September 2012 wurde dann offiziell die "UPP Rocinha" eingerichtet, die Befriedungstruppe der Polizei, die bisher in gut 30 Favelas der Stadt für Recht und Ordnung sorgen soll. Gut 700 Polizisten leisten seitdem in der Rocinha Dienst, deren Einwohnerzahl auf etwa 70.000 geschätzt wird.

Zur Unterstützung der Polizeiarbeit dienen nun die hochauflösenden Kameras, die um 360 Grad drehbar sind und gestochen scharfe Bilder auf bis zu 300 Meter Entfernung liefern. Das Kontrollzentrum, von dem aus die Kameras bedient werden, befindet sich im Einsatzzentrum der UPP am Rande der Favela. Bereits in der Testphase leisteten die Kameras gute Arbeit - fünf Personen wurden bei illegalen Handlungen gefilmt und in der Folge festgenommen.

Die Rocinha ist nicht die erste Favela, die per Videokameras überwacht wird. Auch die Favela Santa Marta in Botafogo, die als erste 2008 in eine UPP umgewandelt wurde, sowie die Favela Batam, im Westen der Millionenstadt, werden rund um die Uhr gefilmt. Ziel der Polizei ist es, das Überwachungsnetz auf alle besetzten Favelas auszudehnen. Die aufgezeichneten Bilder, die auf Zentralrechnern gespeichert werden, sind übrigens vor Gericht als Beweismaterial zugelassen. Als nächsten Schritt hat die Polizei bereits angekündigt, eine Software installieren zu wollen, die automatisch Personen anhand ihrer Gesichtszüge erkennen kann. (tm)