Chile |

68-jähriger Mapuche bei Demonstration schwer verletzt

Bei einer Demonstration für die Asphaltierung von Straßen im Gemeindegebiet von Temuco (Provinz Araucanía) wurden am Montag zehn Personen vorläufig festgenommen und der 68-jährige Mapuche Felicindo Huaiquinao schwer verletzt. Die Polizei hatte mit Wasserwerfern die Blockade einer Fernverkehrstraße durch rund 30 Demonstranten aufgelöst.

Dabei sei der 68-Jährige von der Wucht des Wasserstrahls umgerissen worden und dabei mit dem Kopf aufgeschlagen, berichtete Radio Bio Bio unter Berufung auf Augenzeugen. Nach Angaben von TeleSur befinde sich der Schwerverletzte in einem Krankenhaus in Temuco. Er schwebe in Lebensgefahr und sei in ein künstliches Koma versetzt worden.

Forderung nach Mapuche elf Jahre ignoriert

Der Polizeipräfekt der Region, Hauptmann Carlos Ávila, erklärte, er könne nicht bestätigen, das Huaiquinao durch Polizisten verletzt worden sei. Man habe den Vorfall jedoch der Militärstaatsanwaltschaft gemeldet.

In einem Communiqué der betroffenen Gemeinde Francisco Quereban rechtfertigen die Bewohner ihre Protestaktion und machen Polizei und Regierung für die gegenwärtige Situation verantwortlich. Nachdem die Forderung auf Asphaltierung der Straßen mehr als zwölf Jahre mit immer gleichen Floskeln ignoriert worden sei, habe man sich zu einer Demonstration entschlossen. Der Staat hatte laut Angaben der Agentur Púlsar vor elf Jahren die Asphaltierung der Straßen versprochen. Nach Bekannt werden des Polizeieinsatzes erklärte der Regionalleiter der Baubehörde, Miguel Canales, man werde die Forderungen der Mapuche-Gemeinde am 3. August anhören.

Mapuche-Pastoral fordert „Friedensgipfel“

Die zehn bei der Aktion verhafteten Personen sind inzwischen wieder freigelassen worden, müssen sich jedoch am 10. September wegen Störung der öffentlichen Ordnung vor den Behörden verantworten.

Erst vergangene Woche wurden fünf minderjährige Mapuche bei der polizeilichen Räumung einer Landbesetzung von Gummigeschossen verletzt. Als Protest gegen die Polizeigewalt besetzen Mitglieder der Vereinigung "Alianza Territorial Mapuche“ (ATM) seit dem 26. Juli das UNICEF-Gebäude in der Hauptstadt Santiago de Chile.

Die Mitglieder der Mapuche-Pastoral der katholischen Kirche haben Ende vergangener Woche in einer Erklärung zu einem „Friedens-Gipfel“ aufgerufen und eine Anerkennung indigener Gebiete gefordert. (bh)