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"4%" für Schüler und Lehrer

Die Regierung der Dominikanischen Republik verstößt gegen das Gesetz: Anstatt die festgesetzten vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung auszugeben, sollen es derzeit nur 1,9 Prozent sein. Tausende Dominikaner protestieren für bessere Bildung und bekommen Unterstützung aus dem Ausland.

Seit Anfang Oktober sind Tausende Dominikaner auf die Straße gegangen, um größere Investitionen in den Bildungssektor des Landes zu fordern. Ihre Markenzeichen sind gelbe T-Shirts und Schirme mit dem Aufdruck „4%“. Das ist der Anteil des Bruttoinlandsproduktes, den die Regierung gemäß des Bildungsgesetzes (Gesetz 66-97) mindestens für Schulen, Lehrer und Unterricht ausgeben muss. Basierend auf den jüngsten Zahlen des Auswärtigen Amts von 2009 bedeuteten das Investitionen in Höhe von umgerechnet etwa 1,37 Milliarden Euro.

Die Allianz für würdevolle Bildung (Coalición por una Educación Digna) beziffert die derzeitigen Ausgaben auf nur 1,9 Prozent und rief zu einem Protestmarsch in der Hauptstadt Santo Domingo auf. Die Demonstranten zogen am 2. Oktober von der Universidad Autónoma de Santo Domingo zum Bildungsministerium und beendeten den Marsch im Park Independencia. An der friedlichen Demonstration beteiligten sich Familien und Lehrer, aber auch Gewerkschaften, Künstler, Unternehmensvertreter sowie Politiker verschiedener Parteien.

Zahlreiche junge Menschen ohne Zugang zu Bildung

In einer Ansprache forderte die Sprecherin der Allianz, Maria Teresa Cabrera, den Bau von 10.000 Schulen und die Instandsetzung von 12.000 Einrichtungen im Land. „Wir marschieren für die 363.000 Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, die aus unserem Bildungssystem ausgeschlossen sind“, riefen Mitglieder der Allianz zu Beginn der Demonstration.

Nur zwei Tage später bekamen die Demonstranten Unterstützung aus mehr als dreißig anderen Ländern. Am 4. Oktober reichten verschiedene Organisationen ein Manifest, verfasst von der Allianz für würdevolle Bildung, bei ihren jeweiligen Botschaften der Dominkanischen Republik ein. Rund 200 sozial engagierte Gruppen, darunter die Fundación Fe y Alegría aus Brasilien, beteiligten sich an der Aktion. Die Koordinatorin von Fe y Alegría, Renato Eliseu Costa, sagte am Dienstag: „Wenn Wirtschaft ein globales Problem ist, dann gilt das für Bildung genauso.“ Costa wies auf gravierende Unterschiede bezüglich der Ausgaben für Bildung hin: Während in Lateinamerika pro Schüler durchschnittlich circa 1.100 US Dollar in Grundschulbildung und weiterführende Schulen investiert würden, seien es in der Dominikanischen Republik nur ungefähr die Hälfte.

Entscheidung über den Haushalt 2012

Die Proteste halten an. Über soziale Netzwerke und das Internet informiert die Allianz weiterhin über Aktionen, denn der Haushalt für das Jahr 2012 ist noch nicht endgültig verabschiedet. Medienberichten zufolge sind für Bildung auch dieses Mal nicht mehr als 2,5 Prozent des BIP vorgesehen. Vergangenen Mittwoch stimmte der Senat dem Haushaltsplan zu. Von verschiedenen Seiten hagelte es daraufhin Kritik, da die Entscheidung über den Haushaltsplan nach nur einem Tag gefällt wurde und damit für viele zu schnell, um den Inhalt des Dokuments zu diskutieren. Die Entscheidung der Abgeordnetenkammer steht noch aus.

Autorin: Julia Mahncke