Bolivien |

32 Tote bei Gefängnis-Bandenkrieg

Die Zahl der bei einem gewalttätigen Bandenkonflikt zwischen Insassen der Palmasola-Gefängnisstadt im bolivianischen Santa Cruz ums Leben gekommenen Menschen ist laut jüngsten Regierungsangaben auf 32 angestiegen. Die Mehrzahl der Opfer in der Departamento-Hauptstadt im Osten des Landes sei durch Erstickung und Verbrennungen zu Tode gekommen, so Regierungsminister Carlos Romero am Sonntag, 25. August, gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur ABI. „Machtkämpfe um die Kontrolle von Gebieten und Führungsansprüche sind Grund für die Gewalt“, erklärte Romero.

Vergangenen Freitag, 23. August, hatte einen Gruppe von Gefängnisinsassen eine andere Gruppe im Hochsicherheitstrakt „Chonchocorito“ mit verschiedenen Waffen angegriffen, darunter als Flammenwerfer zweckentfremdete Flüssiggasflaschen und Messer. Bei einer Explosion, dem anschließenden Brand und Auseinandersetzungen starben mindestens 30 Menschen. Auch ein Kleinkind, das sich in einem Raum über der Explosion aufhielt, ist unter den Brandopfern. Über 50 Personen wurden in die völlig überfüllten umliegenden Krankenhäuser der Millionen-Metropole eingewiesen, berichteten lokale Medien.

In einigen Fällen wird die Identifizierung der Verstorbenen mehrere Tage in Anspruch nehmen, da viele der Opfer „komplett verkohlt“ seien, informierte Gefängnisdirektor Guido Prada. In der von den Häftlingen selbstverwalteten, von hohen Mauern umgebenen Gefängnisstadt Palmasola leben offiziellen Angaben zufolge 5.000 Menschen. Diese hätten „in Komplizenschaft mit der Polizei die Kontrolle des Gefängnisses“ übernommen, fordert die Oppositionspolitikerin Osney Martínez vom „Nationalen Zusammenhalt“ (CN) Reformen des überlasteten Gefängnissystems in Bolivien.

Die bisher größte Gefängnis-Katastrophe in der Geschichte der 10-Millionen-Einwohnernation hat den Fokus auf die teils menschenunwürdigen Zustände in den Haftanstalten des Andenlandes gerichtet. „Das Land ist in Trauer“, verurteilte Präsident Evo Morales die Gewalteskalation und kündigte eine Untersuchung der Umstände an. Auch der Erzbischof von Santa Cruz Monseñor Sergio Gualberti übermittelte den Opfern und deren Familienangehörigen in einer Presseerklärung „christliche Solidarität“. (bb)