Mexiko |

26.000 Menschen verschwanden in den letzten sechs Jahren

Mehr als 26.000 Menschen sind in Mexiko während der Amtszeit des ehemaligen Präsidenten Felipe Calderón verschwunden. Dies geht aus einer Liste hervor, die die Staatssekretärin für Rechtsangelegenheiten und Menschenrechte, Lía Limón García, am 26. Februar in Mexiko-Stadt präsentierte. Die Liste speist sich nach Angaben von Garcìa aus den Vermisstenmeldungen, die den Justizbehörden in den einzelnen Bundesstaaten des Landes vorliegen. Damit stehe auch die Ursache des Verschwindens der einzelnen Personen nicht fest. „Für das Verschwinden der Personen ist nicht zwingend das organisierte Verbrechen verantwortlich“, betonte die Politikerin. „Ich will die Ursachen nicht präjudizieren“. Experten gehen aber davon aus, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Großteil der Vermissten auf das organisierte Verbrechen im Zusammenhang mit dem internationalen Drogenhandel zurückzuführen ist.

Erst vor einer guten Woche machte die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mit einer Veröffentlichung darauf aufmerksam, dass bei zahlreichen dieser Fälle die nationalen Sicherheitskräfte beteiligt waren. Laut des Bericht von HRW mit dem Titel „Die Verschwundenen Mexikos - Die anhaltenden Kosten eines ignorierten Falls“, sind in 140 Fällen nachweislich staatliche Sicherheitsangestellte mit dem Verschwinden von Personen in Verbindung zu bringen. Bei den Staatsangestellten handele es sich sowohl um Mitglieder der Navy, der Armee und der Polizei. In 60 der dokumentierten Fällen haben die Beamten eine aktive Rolle eingenommen und hätten anschließend bei den Familien Geld erpresst. In den restlichen 80 Fällen haben die Staatsangestellten sich durch Mitwisserschaft schuldig gemacht. „Präsident Peña Nieto hat eine der schlimmsten Verschwunden-Krisen weltweit geerbt“, kommentierte José Miguel Vivanco von HRW die Ergebnisse der Studie.

Sowohl nationale als auch internationale Menschrechtsorganisationen begrüßten die von der mexikanischen Regierung veröffentlichte Liste. Jetzt müssten aber auch die nachfolgenden Schritte eingeleitet werden. So forderte beispielsweise Amnesty International eine schrittweise Aufklärung der Verbrechen. Zu viele der Taten seien bisher ungesühnt. Es liege nun weiterhin an der neuen Regierung effektive Maßnahmen einzuleiten, die auch dafür sorgen, dass diese Verbrechen in Zukunft weniger geschehen. (aj)

Der komplette HRW-Bericht zum Download (Englisch)