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176 Festnahmen bei Bildungsprotesten in Michoacán

Der Anfang Oktober mit dem Kapern von Fahrzeugen und Besetzungen von Bildungsstätten durch Lehramtsstudenten eskalierende Protest gegen Änderungen im Lehrplan an staatlichen Schulen ist Anfang dieser Woche weiter eskaliert.

Die Regionalregierung des Bundesstaates Michoacán gab bekannt, dass im Zuge von Auseinandersetzungen mit staatlichen Sicherheitskräften in der Nacht zum vergangenen Montag 176 Studenten verhaftet worden seien, einige würden noch vermisst. Die Protestierenden hätten zuvor 82 Busse und Lastkraftwagen in ihre Gewalt gebracht. Nach Angaben von Gewerkschaftern hätten fünf Studenten ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, mindestens zehn Polizisten seien verletzt worden und etwa 13 Fahrzeuge ausgebrannt, viele der Inhaftierten seien durch Schläge verletzt worden.

Gewerkschaft kritisiert brutalen Polizeieinsatz

Eugenio Rodríguez, Mitarbeiter des 18. Referats der Koordinationsstelle der Angestellten im Bildungssektor in Michoacán CNTE kritisierte die Brutalität, mit der Sicherheitskräfte am Montag dieser Woche gegen Lehramtsstudenten vorgegangen waren, die gegen bundesweit geltende Änderungen in den Lehrplänen protestieren. Es sei eine Grenze an Aggression „überschritten worden“, zitiert die Nachrichtenagentur TeleSur Rodríguez unter Berufung auf lokale Presseberichte. Bundespolizisten hätten Tränengas, Hubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge gegen die Demonstranten eingesetzt.

Die Studenten fordern laut Presseberichten eine Anpassung des Gesetzes an die lokalen Gegebenheiten des im westlichen Zentralmexiko gelegenen Bundesstaates. Die Studienzeit soll sich nach dem geänderten Gesetz um ein Jahr verlängern. Die Reform ist bereits diesen Herbst in Kraft getreten. Eine Rücknahme der Reform lehnte der amtierende Bildungsminister Mexikos, José Ángel Córdova Villalobos, jedoch bereits entschieden ab.

Menschenrechtskommission will Mitarbeiter entsenden

Die staatliche Nationale Menschenrechtskommission CNDH gab angesichts der schweren Auseinandersetzungen bekannt, sie werde Mitarbeiter nach Michoacán entsenden, um die Lage vor Ort zu prüfen. Laut der lokalen Onlineausgabe von "La Jornada" hatte die CNTE gestern angeprangert, dass bis Dienstagfrüh (Ortszeit) den Inhaftierten der Kontakt zu ihren Anwälten verweigert worden sei.

Im Dezember 2011 waren in der Hauptstadt des Bundesstaates Guerrero, Chilpancingo, bei Protesten von Lehramtsstudenten zwei Demonstranten ums Leben gekommen. Die Studierenden hatten eine Fernverkehrstraße blockiert und Verhandlungen mit der Regierung über eine Verbeserung ihrer Ausbildung, unter anderem über eine ausreichende Verpflegung in der als Internat geführten Ausbildungsstätte in Ayotzinapa gefordert. (bh)