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173 Morde an Ex-FARC-Kämpfern in Kolumbien seit Friedensvertrag

(Symbolbild) Pistole eines kolumbianschen Polizisten. Foto: Jürgen Escher/Kolumbien 

Die Ermordung von ehemaligen Kämpfern der linken Guerillaorganisation Farc seit Abschluss des Friedensvertrages mit dem kolumbianischen Staat stellt den Versöhnungsprozess vor Schwierigkeiten. Laut Zahlen der UN-Mission zur Überwachung des Friedensvertrages seien seit 2016 insgesamt 173 frühere FARC-Kämpfer ermordet worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Montag, 3. Februar 2020.

In einem offenen Brief an Präsident Iván Duque, der beim Kurznachrichtendienst Twitter zu lesen ist, hatte Ex-Farc-Chef Rodrigo "Timochenko" Londoño die Regierung zuvor beschuldigt, zu wenig für den Schutz seiner Gefährten zu unternehmen. "In den Verträgen von Havanna hat sich der kolumbianische Staat zur Umsetzung zahlreicher Garantien" verpflichtet, die absolut nicht eingehalten würden, berichtet der Radiosender "RCN" über die Beschwerden von Londoño. 

"Die Sicherheit der Ex-Kämpfer hat für die Regierung von Präsident Iván Duque oberste Priorität", versichert hingegen Emilio José Archila, Präsidentenberater für den Friedensprozess in einem Reuters-Interview. Die Kritik des Ex-Farc-Oberbefehlshabers wies er als "politischen Brief eines Vorsitzenden einer Oppositionspartei" zurück. Londoño ist mitterlerweile Parteichef der Farc-Nachfolgepartei "Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común".

Regierungsangaben zufolge wurden die meisten Ex-Kämpfer von der Drogenmafia, abtrünnigen Farc-Einheiten, der Linksguerilla ELN und Kartellen ermordet. Auch beschuldigt Kolumbiens Regierung Venezuela, bewaffnete Gruppen im Grenzgebiet zu unterstützen, was eine Durchsetzung des Friedensvertrages erschwere. In 2020 wurden bereits fünf Ex-Kämpfer umgebracht, so die Tageszeitung "El Espectador".

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