Brasilien |

17. "Schrei der Ausgeschlossenen"

Zum 17. Mal wurde gestern in Brasilien mit einer außerordentlich hohen Beteiligung der Grito des los Excluidos (Schrei der Ausgeschlossenen) begangen. Unter dem Motto “Schrei der Erde nach Leben…Rechte für uns alle“ gingen zahlreiche Menschen in den meisten Bundesstaaten des Landes auf die Straßen. Seit vielen Jahren wird der symbolträchtige Tag des Unterschreibens der brasilianischen Unabhängigkeitserklärung von sozialen Bewegungen genutzt, um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen. „Dieser Tag hat sich für benachteiligte Menschen zu einer Gelegenheit entwickelt, ihre Stimme zu erheben“, so der Koordinator nationalen der Aktion Luis Bassegio.

Zahlreiche Themen standen auf der Agenda der Protestierenden. Sie demonstrierten unter anderem gegen die hohen Energiepreise, für eine Beteiligung der öffentlichkeit bei der Gestaltung der Fußballweltmeisterschaft 2014, gegen die hohe Arbeitslosigkeit, für die Rechte der Frauen und Indigenen sowie für das Recht auf würdiges Wohnen. Außerdem waren die ungerechte Einkommensverteilung und die schlechten Lebensbedingungen für viele Brasilianer ein großes Thema der Demonstrationen.

„Der Mindestlohn von 545 Reais (etwa 234 Euro) besitzt heute halb so viel Kaufkraft wie bei seiner Einführung 1940“, so der Berater vieler sozialer Bewegungen und Ordensmnn Frei Betto im Vorfeld des Aktionstages. Auch das Nationale Statistikinstitut habe errechnet, dass eine vierköpfige Familie mindesten 2.149 Reais (etwa 923 Euro) im Monat zur Verfügung haben müsste, um über die Runden zu kommen. Betto betonte, dass die Sozialpolitik der Regierung zwar sehr wichtig sei, aber lange nicht ausreichen, um den Bedürftigen des Landes genügend Hilfe zukommen zu lassen. In Brasilien leben nach wie vor 16 Millionen Menschen in extremer Armut. (aj)