Honduras |

13 Tote bei Gefängnisbrand

Eineinhalb Monate nach dem schlimmen Gefängnisbrand mit 361 Toten ist in Honduras erneut eine Haftanstalt in Flammen aufgegangen. Dabei starben nach Angaben der Staatsanwaltschaft 13 Insassen an Erstickung und Verbrennungen. Betroffen war das grösste Gefängnis des Landes in der Industriemetropole San Pedro Sula, die von der UNO als Stadt mit der höchsten Mordrate weltweit eingestuft wird. Augenzeugenberichten zufolge ging einer der Pavillons in Flammen auf und wurde von den Gefangenen mit Wassereimern gelöscht. Nach Angaben der lokalen Polizei hatten zwei verfeindete Banden eine Auseinandersetzung um die Vorherrschaft begonnen; dabei sei ein Gefangener geköpft worden. Weihbischof Romulo Emiliani vermittelte zwischen den Gruppen und versuchte, die Lage zu beruhigen und die Bergung der Opfer zu ermöglichen. Zuletzt starben 2004 in San Pedro Sula 107 Insassen bei einem Brand.

Im Januar hatte nach Angaben von US-Ermittlern ein Kurzschluss zu einem fatalen Feuer in der Rehabilitierungsanstalt von Comayagua geführt, die als Vorzeigegefängnis galt. San Pedro Sula hingegen ist eines der schlimmsten Gefängnisse des Landes. Derzeit sitzen dort 2250 Insassen ein; ausgelegt ist es für 500. Lediglich die beiden gefährlichen Banden Mara-18 und Mara Salvatrucha sind in zwei Hochsicherheitstrakten voneinander getrennt inhaftiert. Im Rest des Gebäudes können sich Drogenhändler und Mörder Seite an Seite mit Autoknackern und Taschendieben frei bewegen.

Die 24 honduranischen Gefängisse gelten in Expertenkreise als „Zeitbombe“. Dort sitzen 13.000 Menschen ein, gut das doppelte der Kapazität. 60 Prozent der Gefangenen sind noch nicht verurteilt. Die UN-Menschenrechtskommission hat die Verhältnisse kürzlich als unzumutbar bezeichnet und die Regierung zur Ausarbeitung einer „integralen Strategie“ aufgefordert. Präsident Porfirio Lobo hat den Bau eines neuen Gefängnisses in San Pedro Sula in Aussicht gestellt - etwas, wofür sich die Kirche schon seit Jahren einsetzt. (saw)