Nicaragua |

100 politische Gefangene freigelassen

Proteste in Managua 2018 (Foto: Klaus Ehringfeld/Adveniat)

In Nicaragua sind am Montag laut Angaben der regierungskritischen Tageszeitung "La Prensa" 100 politische Gefangene freigelassen worden. Sie sind in den Hausarrest überführt worden. Zuvor hatte die oppositionelle "Bürgerallianz für Gerechtigkeit und Demokratie" damit gedroht, die Gespräche mit der sandinistischen Regierung von Präsident Daniel Ortega abzubrechen, wenn diese ihr Wort nicht halte, alle politischen Gefangenen im Land freizulassen.

Die Ortega-Regierung veröffentlichte daraufhin eine Liste mit 100 Namen von Gefangenen, die im Laufe des Tages die Haftanstalten verlassen sollten. Die Opposition kündigte allerdings an, die Gespräche erst dann fortsetzen zu wollen, wenn alle 232 politischen Gefangenen, die auf eine Liste des Internationalen Roten Kreuzes stünden, freigelassen werden. Zudem rief die Bürgerallianz zu einem Generalstreik auf und kritisierte die Regierung wegen des Todes eines politischen Häftlings in der vergangenen Woche scharf.

Kirche in Nicaragua fordert Aufklärung zu Tod eines Häftlings

Bereits am Donnerstag, dem 16. Mai 2019 kam es zu einem weiteren Vorfall in einem nicaraguanischen Gefängnis. Katholische Priester der Erzdiözese Managua haben die rückhaltlose Aufklärung des Todes eines Häftlings gefordert, der am Donnerstag im Gefängnis La Modelo in Tipitapa erschossen worden war. Angesichts widersprüchlicher Aussagen über die Hintergründe des Todes von Eddy Montes Praslin sei eine Untersuchung von nationalen und internationalen Instanzen notwendig, schrieben die Geistlichen laut einem Bericht der Tageszeitung "La Prensa" am Wochenende. Zugleich kritisierten sie die Gewalt gegen politische Gefangene.

Zuvor hatte sich der von Papst Franziskus nach Rom abberufene Weihbischof Silvio Baez zu dem Fall geäußert. Die Ermordung des politischen Gefangenen durch die Polizei sei auf das Schärfste zu verurteilen, so der Weihbischof der Diözese Managua. Das Opfer, das auch einen US-amerikanischen Pass hat, wurde während regierungskritischer Proteste verhaftet. Bei Ausschreitungen in der Haftanstalt am Donnerstag wurde Montes getötet, weitere 17 Menschen wurden verletzt. Die Regierung warf den Häftlingen vor, in der Haftanstalt im Norden der Hauptstadt eine Meuterei angezettelt zu haben.

Jüngst hatten Menschenrechtsorganisationen über gewaltsame Übergriffe im Frauengefängnis "La Esperanza" berichtet. Dabei sollen acht Kritikerinnen des linksgerichteten Präsident Daniel Ortega von Wärtern geschlagen worden sein. Mehrere Aufseher seien in ihre Zelle gekommen und hätten die Frauen "brutal verprügelt", berichtete das "Komitee für die Befreiung von politischen Häftlingen".

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