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10. Jahrestag des Mordes an Dorothy Stang

Grab der ermordeten Ordensfrau Dorothy Stang, Amazonas. Brasilien. Foto: Agência Brasil Fotografias, CC BY-NC-SA 2.0
Grab der ermordeten Ordensfrau Dorothy Stang, Amazonas. Brasilien. Foto: Agência Brasil Fotografias, CC BY-NC-SA 2.0

Am 12. Februar jährte sich zum zehnten Mal der Tag, an dem die brasilianische, in den USA geborene, Ordensschwester und Umweltaktivistin Dorothy Stang im Amazonasgebiet ermordet wurde. Erwin Kräutler, der Präsident des Indigenen-Missionsrates CIMI, prangert an, dass viele der an der Tat Beteiligten bis zum heutigen Tage nicht angeklagt worden seien. Kräutler, der sich seit Langem für die Rechte der indigenen Völker einsetzt, muss selbst permanent von der Polizei geschützt werden. Er hat gelernt, mit Morddrohungen zu leben.

In einem Interview, das auf der CIMI-Website angehört werden kann, äußert sich der Bischof von Xingu zu den Zuständen im Amazonasgebiet, die sich nicht verändert hätten. Wer Widerstand gegen wirtschaftliche Interessen leistete, begebe sich in Lebensgefahr. Der brasilianischen Landpastoral zufolge entfallen fast 70 Prozent aller Verbrechen in Zusammenhang mit Landkonflikten auf das Amazonasgebiet. Von 1985 bis 2013 wurde die brasilianische Justiz in 768 Fällen aufgefordert, wegen Mordes zu ermitteln. Lediglich in 5 Prozent der Fälle kam es zu einer Gerichtsverhandlung. Und nur 19 Angeklagte erhielten eine Strafe.

Erwin Kräutler macht für die Zustände die Abwesenheit des Staates im Amazonasgebiet verantwortlich. Schwester Dorothy habe die Armen geschützt, wodurch sie Verfolgungen erlitt und Drohungen auf sich zog. Mindestens ein Jahr, bevor sie mit der Bibel in der Hand erschossen wurde, begann sie, den brasilianischen Behörden von den Nachstellungen zu berichten. Aus Erwin Kräutlers Sicht steckte hinter dem Mord ein größerer Personenkreis, der all jene zu ermorden bereit ist, die sich ihren Interessen, etwa als Großgrundbesitzer oder Holzfäller, in den Weg stellten. Zehn Jahre nach dem Mord an Dorothy Stang sitzt der Auftraggeber der Tat in Haft. Aber viele Opfer von Gewalt im Amazonasgebiet bzw. ihre Angehörigen können nicht darauf setzen, dass der brasilianische Staat alles für die Aufklärung und Bestrafung der Täter tut. Straflosigkeit ist die Regel, nicht die Ausnahme (bs)

Foto: Agência Brasil Fotografias, CC BY-NC-SA 2.0